Über das liebe Geld spricht man jeden Tag

Griff in die Schatzkiste: Das Vergnügen gönnt sich hier Helmut Gold, Direktor des Museums für Kommunikation in Frankfurt.

Frankfurt ‐ Die ganze Welt spricht übers Geld. Das Museum für Kommunikation in Frankfurt ist allerdings schon einen Schritt weiter, denn hier wird nicht über Geld geredet, sondern darüber, wie Geld spricht. Von Melanie Gärtner

Die Ausstellung „Die Sprache des Geldes“, die heute Abend eröffnet wird, zeigt, wie wir in unseren alltäglichen Handlungen mit Geld kommunizieren. „Über Geld spricht man nicht, ist eine Redensart, die so nicht stimmt“, sagt Gregor Isenbort, Kurator der Ausstellung. „Über Geld spricht man jeden Tag, denn selbst Konsum und Handel ist eine Form der Kommunikation.“ Auf dem Rundgang durch die Ausstellung wird deutlich, welches Spektrum an Bedeutungen dem Geld in einer monetären Gesellschaft zukommt. So ist im „Einkaufzentrum“ zu erfahren, welcher Wert den Waren beigemessen wird, die man gegen Geld eintauscht. Auf dem „Marktplatz“ lernt der Besucher, warum man in einer so komplexen Gesellschaft wie der unsrigen nicht mehr auf Geld als Zahlungsmittel verzichten kann und warum man beim Kauf eines iPod lieber die Kreditkarte zückt, als 185 Biere oder 797 Eier zu bezahlen.

Im „Wohnhaus“ wiederum geht es darum, wie die Menschen im ganz persönlichen Bereich mit Geld umgehen. Ein interessantes Exponat ist dabei das Haushaltsbuch der Schauspielerin Inge Meysel aus dem Jahre 1975/1976, die damit ein wunderbares Beispiel für 92 Prozent der Deutschen abgibt. Die, so Kurator Isenbort, verwalten nämlich bis heute noch auf diese Weise ihre Ausgaben und sind damit weltweit Rekordhalter im Haushaltsbuchführen.

Euphorisierende Hormone durch Geld

Weniger anschaulich war der Bereich „Bank und Börse“ auszustatten. „Die Planung der Ausstellung fiel genau in die Zeit, als die globale Finanzkrise mit dem Einbruch von Lehman Brothers ihren Anfang nahm“, erzählt Isenbort. „Ich habe mich bemüht, eines der Lehman-Zertifikate für die Ausstellung zu beschaffen und musste erfahren: diese gibt es genau so wenig, wie es noch papierne Aktien an den Börsen gibt. Unser Kapital ist digital und deshalb haptisch kaum noch zu fassen.“ Zur Illustration mussten daher Schaubilder herhalten. Auch die Fotografien der durch Handzeichen miteinander kommunizierenden Börsianer sind ein Relikt aus den 1990er Jahren, denn heute finden die Transaktionen an der Börse nur noch am Computer statt. Einige Aktien auf Papier haben die Ausstellungsmacher dennoch auftreiben können, etwa Wertpapiere der Pan American World Airways von 1971 oder auch von Borussia Dortmund aus dem Jahr 2000.

Die Frage, ob Geld glücklich mache, sieht Isenbort mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet - schließlich biete Geld nicht nur existenzielle Sicherheit, sondern sei ähnlich wie Essen oder Liebeslust für euphorisierende Hormonausschüttungen im Hirn verantwortlich und das Phänomen Gier nur allzu menschlich.

Begleitend zur Schau „Sprache des Geldes“ präsentiert die Europäische Zentralbank im Museum für Kommunikation ihre „Euro-Ausstellung“, die allerdings nur bis 11. April gezeigt wird. Die Ausstellung „Die Sprache des Geldes“ ist bis 29. August zu sehen. Öffnungszeiten: Di bis Fr 9  - 18 Uhr, Sa, So und Feiertag 11 - 19 Uhr. Weitere Infos auf der Internetseite des Museums für Kommunikation.

Quelle: op-online.de

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