Frankfurt/Rhein-Main

„Über Nachtflüge entscheidet Bundesgericht“

Der im Vorstand für den Ausbau verantwortliche Fraport-Vizechef Stefan Schulte erwartet, dass eine Entscheidung über die Zahl der künftig zugelassenen Nachtflüge erst vorm Leipziger Bundesverwaltungsgericht fallen wird.

Offenbach (alk) - Wie auch immer der Kasseler Verwaltungsgerichtshof(VGH) entscheidet: Entweder die Luftverkehrsgesellschaften oder die lärmgeplagten Kommunen werden, so die Erwartung Schultes, die nächste Instanz bemühen.

Wie berichtet hat der VGH in der Entscheidung über die Eilanträge gegen einen Sofortvollzug des Flughafenausbaus deutlich Hinweise gegeben, dass er die für die Zeit nach Inbetriebnahme der neuen Landebahn geplanten Nachtflüge für nicht vereinbar hält mit der gesetzlich geschützten Nachtruhe. Der Planfeststellungsbeschluss der Landesregierung sieht 150 planmäßige Flüge zwischen 22 und 6 Uhr vor. Im Schnitt 17 Maschinen sollen zwischen 23 und 5 Uhr starten und landen dürfen. Die Fraport AGhatte ein Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr beantragt, die Landesregierung hatte allerdings den Standpunkt vertreten, das würde den bereits angedrohten Klagen der Fluggesellschaften nicht standhalten.

Der Beschluss des VGH im Eilverfahren sei ganz im Sinne der Fraport gewesen, betonte Schulte bei einem Gespräch mit Journalisten. Er habe nicht damit gerechnet, dass sich die Richter schon in diesem Verfahren derart detailliert mit dem Projekt auseinander setzen würden. „Der Beschluss lässt nichts daran zu deuteln übrig, dass der Ausbau von großem öffentlichem Interesse ist.“

Um das Ziel zu erreichen, die neue Landebahn Nordwest zum Winterflugplan 2011 in Betrieb zu nehmen, habe Fraport in der Vorwoche mit der Rodung begonnen. 60 Hektar Wald seien bereits gefällt. Bis Ende Februar sollen knapp 145 Hektar im Norden des Flughafens für die neue Landebahn gerodet sein - bis dahin werde auch das Waldcamp geräumt sein, in dem einige Dutzend Widerständler gegen den Ausbau ausharren.

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Der Fraport-Vorstandsvize betonte, dass die vier Milliarden Euro teure Investition in die Erweiterung des Flughafens zugleich ein „gigantisches Konjunkturprogramm“ von überregionalem Interesse sei. Als eines der „größten privatwirtschaftlichen Investitionsprojekte in Europa“ leiste die Erweiterung des Flughafens einen maßgeblichen Beitrag zur Überwindung der Krise, helfe der Bauindustrie und bringe Impulse für den Arbeitsmarkt. Im Mai soll der Bau der Vorfeldflächen für Terminal 3 beginnen. Zudem wird die Entwässerung der neuen Landebahn durch Regenrückhaltebecken gebaut. Im Juni starten dann die Arbeiten für eine Rollbrücke über die Autobahn A3 sowie die Erd- und Tiefarbeiten für die Landebahn.

Schulte berichtete, Fraport habe bereits mit der vorgeschriebenen Ersatzaufforstung von 286 Hektar in der Region begonnen. Unter anderem in einem ehemaligen US-Munitionsdepot im Wald bei Langen liefen vorbereitende Arbeiten für die Renaturierung der Bunker.

Mit der neuen Landebahn steigert der Flughafen die Kapazität um mehr als 50 Prozent. Schulte zeigte sich zuversichtlich, dass der Luftverkehr nach der aktuellen Krise wieder wachsen werde. Aktuell verzeichnet Fraport nach Jahren der Zuwächse Rückgänge bei Flügen und Passagierzahlen. Daran werde sich nach seiner Erwartung kurzfristig nichts ändern. „Das erste und zweite Quartal werden sehr schwierig.“ Mit der neuen Bahn komme Fraport rechtzeitig, um ab 2011 vom Aufschwung zu profitieren.

Nachdem Fraport mit dem Anliegen gescheitert war, die Einnahmen am Flughafen Hahn durch eine zusätzliche Abgabe zu verbessern, will sich das Unternehmen wie berichtet von seinem Anteil an dem Flughafen trennen. Schulte rechnet damit, dass die laufenden Verkaufsverhandlungen mit dem Land Rheinland-Pfalz in spätestens drei Wochen abgeschlossen sein werden.

Quelle: op-online.de

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