Überzeugend sterben mit Herrn Dannewitz

+
Flammendes Inferno - und zwischen Haut und Flammen sind nur ein paar Millimeter Spezialstoff. Nach maximal drei Minuten muss das Feuer aus sein, sonst wird‘s gefährlich.

Langenselbold - Immer dann, wenn in einem in Hessen produzierten Tatort irgendwelche Flaschen auf Köpfen zersplittern, nach einem gezielten Schuss Kleidungsstücke aufreißen und Blut aus den Körpern zu dringen scheint, dann hat die Abteilung für Spezialeffekte des Hessischen Rundfunks unter Leitung von Stefan Dannewitz die Hände im Spiel. +++ Fotostrecke +++ Von Dieter Kögel

 Er und sein Kollege Rainer Hildebrand sorgen aber nicht nur dafür, dass Gute und Böse überzeugend sterben, sie verwandeln Straßenzüge auch in Schneelandschaften oder lassen es in Strömen regnen, wenn ein Drehbuch das erfordert.

Für Winterpracht zu jeder Jahreszeit sorgt die „Schneemaschine“.

Im Zelt des Hessischen Rundfunks an der Alten Strasse beim Hessentag in Langenselbold können interessierte Gäste derzeit einen Blick hinter die Kulissen der Effektabteilung werfen.
Da darf sogar die Tochter aus dem Publikum ihrem Papa die grüne Flasche über den Schädel ziehen, dass die Scherben nur so fliegen. Doch anstatt filmreif hinzusinken bleibt das Opfer lachend stehen und nimmt den Applaus der Zuschauer für seinen Mut entgegen. Unversehrt kann das Opfer zu seinem Platz zurück. Denn die Flasche besteht aus einer Art Zuckerguss, sieht echt aus, splittert wie Glas, ist aber gänzlich ungefährlich.

Bilder der Stuntshow

Überzeugend sterben mit Herrn Dannewitz

Stefan Dannewitz entzaubert auch das effektvolle Sterben mit viel Theaterblut, das aber trotzdem genau geplant sein will. Denn damit die Kleidung am Einschussloch aufreißt, wird ein Sprengsatz am Körper des Schauspielers angebracht und zum Schuss ferngezündet. Nicht größer als eine Kopfschmerztablette ist die explosive Ladung. Doch sie hätte die Kraft, „eine Hand abzureißen“, warnt Dannewitz, der wenig später auf dem Kühler eines präparierten Mercedes Platz nimmt, und die mit Bärlauchblütenstaub hervorgerufene spektakuläre Explosion stoisch über sich ergehen lässt.

Bärlauchblütenstaub sorgt für den nötigen Qualm bei der Autoexplosion

Vorher wird auf den Wagen geschossen. Obwohl eine Schreckschusswaffe verwendet wird, fliegen scheinbar Wagenteile und die Schusslöcher sind deutlich sichtbar. Der Trick: Die Löcher werden vorher gebohrt, mit einer kleinen Sprengladung versehen, dann wird gespachtelt und lackiert. Per Fernzündung wird die Kosmetik im richtigen Moment weggesprengt. Keine billige Angelegenheit. Pro Schuss, so erklärt Dannewitz, werden um die 120 Euro fällig. Nicht zuletzt deshalb werden die Effekte mit bis zu sieben Hochgeschwindigkeitskameras gleichzeitig gedreht. Ein nur Sekundenbruchteile dauernder Effekt kann so für den Film je nach Bedarf weiter gestreckt werden.

Am Samstag (13.) laden Thomas Ranft und Stefan Dannewitz erneut um 17 Uhr am hr-Treff beim Riesenrad zum Streifzug durch die Welt der Spezialeffekte ein.

Trotz aller Technik: „Ohne gute Stuntmen geht gar nichts,“ so hr-Moderator Thomas Ranft. Den Beweis dafür blieb der Sender nicht schuldig. Stuntmen stürzten sich aus neun Meter Höhe in Kartonstapel oder laufen als brennende Menschen 20 Sekunden lang über den Platz. Höchstens 30 Sekunden ist das unter Spezialkombis auszuhalten.

Ohne Verletzungen zu verursachen, zerbricht die Flasche aus Zuckerguss

Doch derartige Effekte sind nicht das, was die Filmleute am meisten nachfragen. Wetter machen wird am häufigsten verlangt. Ob fallender Schnee auf einer Schaumbasis oder Schneelandschaften aus einer zelluloseartigen Substanz: Ganze Bezirke können so selbst im Sommer verwandelt werden. Und wenn es regnen soll, dann ist die Abteilung für „Special Effects“ ebenfalls zur Stelle. Entweder mit dem Regenfahrzeug, oder mit der Gesamtanlage, die eine Straße auf 20 Metern Länge beregnen kann.

Quelle: op-online.de

Kommentare