Umbauarbeiten in den Bistümern

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Es rumort in den Bistümern: Planen die katholischen Bischöfe noch mehr Einschnitte und Pfarrverbünde?

Mainz/Fulda/Limburg ‐ Angesichts von Priestermangel und zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen wird in den hessischen Bistümern mit Hochdruck an „Umbauten in den Pfarrgemeinden“ gearbeitet. Hat die Kirche am Ort noch eine Zukunft? Soll es sie überhaupt weiter geben? Von Peter Schulte-Holtey

Wenn ja, wie könnte, wie sollte sie aussehen? Das sind die zentralen kirchenpolitischen Fragen, über die derzeit heftig bei vielen Katholiken gestritten wird.

Die Situation sei „bedrohlich“, heißt es im Bistum Mainz. Eine Unternehmensberatung sucht seit Monaten nach Reformmöglichkeiten und soll Anfang Juli Ergebnisse vorlegen. Angesichts von Prognosen, die für den Bistumshaushalt „eine dauerhafte Deckungslücke von jährlich 15 bis 25 Millionen Euro“ vorhersagen, gelte es, durch die Analyse der Beratungsfirma „einen soliden Ausgangspunkt und genauen Standort“ für weitere Maßnahmen zu schaffen.

Der Bistumsprozess „Lebendige Gemeinden in erneuerten pastoralen Einheiten“ geht unterdessen weiter. Aktuellster Fall in der Region: Die Pfarrgemeinden St. Peter und Paul sowie St. Wolfgang in Dieburg haben sich zum 1. Juni zu einer Pfarrgemeinde zusammengeschlossen. Weitere Zusammenschlüsse sind zu erwarten. Der Mainzer Generalvikar, Prälat Dietmar Giebelmann, rührt schon die Werbetrommel: „Eine Gemeinde mit zwei Kirchen und einer entsprechenden Zahl kirchlicher Zentren hat die Möglichkeit verschiedene geistliche Angebote an ganz unterschiedliche Menschen zu machen.“

Pfarreien bleiben selbstständig

Einschnitte werden auch aus dem Bistum Fulda gemeldet. Schon 2006 wurden aus 250 Pfarreien 48 Pastoralverbünde gebildet. In ihnen bleiben die Pfarreien selbstständig, arbeiten aber verbindlich zusammen. Weitere Schritte folgen: Seit Anfang des Monats kann sich ein Pfarrer durch den Einsatz eines sogenannten „geschäftsführenden Verwaltungsratsvorsitzenden“ dauerhaft bei den Verwaltungsaufgaben der Kirchengemeinde vertreten lassen. „Dieser wird auf Vorschlag des Pfarrers aus dem Verwaltungsrat gewählt und hat für die jeweilige Amtszeit von drei Jahren den Vorsitz des Verwaltungsrates und alle damit verbundenen Rechte und Pflichten inne“, teilte das Bistum mit.

Die Begründung: „Die komplizierter und umfangreicher werdenden Aufgaben der Verwaltung binden bislang viel Zeit des Pfarrers, der heutzutage oft mehrere Pfarreien in Personalunion zu betreuen hat.“ Zum Rechtsverhältnis zwischen Pfarrer und „Geschäftsführer“ heißt es: „Die Zuständigkeit und Verantwortung eines ordnungsgemäß bestellten geschäftsführenden Vorsitzenden muss dann auch der Pfarrer beachten. Will dieser in einer Angelegenheit selbst tätig werden, was er jederzeit kann, ist dies nur möglich, wenn er vorher den geschäftsführenden Vorsitzenden hiervon in Kenntnis gesetzt hat.“

Seelsorge tragfähige Perspektiven eröffnen

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst erklärt: „Wir müssen ehrlich sagen, wo wir stehen, was die Voraussetzungen unserer Gemeinden sind.“ Den Prozess nennt er „Bereitschaft zur Bewegung“ und bereits vor Monaten hat er seine Linie umrissen: Abschied von der territorialen Pfarrgemeinde und Orientierung hin auf größere Einheiten mit zentralen Kirchen.

Der Seelsorge sollen tragfähige Perspektiven eröffnet werden, heißt es. Die theologische Leitlinie des Bischofs: „Kirche entsteht, wo sie sich zur Feier der Eucharistie versammelt.“ Deshalb will er nun allen Gläubigen den sonntäglichen Aufbruch in Zentralkirchen verordnen. Vereinzelt haben sich inzwischen Kritiker zu Wort gemeldet. Sie sehen die Gefahr, dass die Gemeinden ausdörren, wenn man jetzt nur noch die Großräume proklamiert.

Quelle: op-online.de

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