Umstritten oder nicht: Reform kommt

Wiesbaden - Der Streit um die geplante Schulreform in Hessen ist bei weitem nicht beigelegt, doch kommende Woche wird das Vorhaben voraussichtlich vom Landtag verabschiedet. Von Isabell Scheuplein

Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) könnte damit ihre Ziele schon bald umsetzen, darunter die neue Mittelstufenschule für Haupt- und Realschüler. Monatelang attackierten Opposition und Verbände die Ministerin für ihre Vorhaben, doch mehr als Änderungen in Details konnten sie nicht erreichen. Auch an der nur noch achtjährigen Zeit im Gymnasium will die Ministerin trotz anhaltenden Protests nicht rütteln.

Für Unruhe sorgen zudem Berichte, zahlreiche der insgesamt 15 Schulämter im Land könnten geschlossen werden. Die Ministerin erklärte dazu bisher lediglich, dass noch geprüft werde, ob und an welcher Stelle sich Geld kürzen ließe. An den Schulen selbst werde nicht gespart, versicherte Henzler schon bei der Sitzung des Landtags im Mai. Die Verwaltung müsse aber effektiver werden.

Das von ihr geplante Schulgesetz und das neue Lehrerbildungsgesetz, das die Ausbildung der Referendare praxisnäher machen soll, stehen voraussichtlich am Mittwochvormittag zur endgültigen Abstimmung im von CDU und FDP dominierten Parlament an. Danach kann die Reform wie geplant zum neuen Schuljahr in Kraft treten.

Die Schulen sollen dann mehr Freiheiten erhalten, vor allem bei der Unterrichtsgestaltung, der Organisation des Schulbetriebs sowie der Haushalts- und Personalführung. Bildungsstandards sollen die bisherigen Lehrpläne ablösen, zudem wird es den Schulen in größerem Umfang als bisher ermöglicht, Unterrichtslücken mit Leiharbeitern zu füllen. An dem Entwurf für das neue Schulgesetz wurde fast zwei Jahre gearbeitet, bevor er im Januar vorgestellt wurde.

Auch um mehr gemeinsamen Unterricht behinderter und nichtbehinderter Kinder geht es bei der Reform, Henzler will dies aber nur nach den jeweiligen finanziellen Möglichkeiten vor Ort umsetzen. Eine UN-Konvention verpflichtet auch Hessen dazu, den gemeinsamen Unterricht (Inklusion) zu fördern. Doch selbst in diesem Punkt ist die Opposition nicht mit den Regierungsvorhaben zufrieden.

SPD und Grüne haben eigene Reformmodelle vorgeschlagen, sie verlangen unter anderem mehr gemeinsames Lernen für die Kinder und Jugendlichen. Auch der Weg zum Abitur sollte ihrer Ansicht nach dringend wieder verlängert werden - aus G8 also wieder G9 werden, um die Schüler vor zu viel Druck zu verschonen.

dpa

Quelle: op-online.de

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