Feinstaub-Belastung in der Luft

Umweltzonen haben nur mäßige Wirkung

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Die Feinstaubbelastung in deutschen Städten steigt. Doch helfen Umweltzonen?

Wiesbaden - Gute Idee, wenig Erfolg: Das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie gesteht ein, dass Umweltzonen Feinstaubwerte nur begrenzt senken.

Umweltzonen sind höchst umstritten. Das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) hat nun eingestanden, dass eine Senkung der Feinstaubwerte durch Umweltzonen messtechnisch kaum nachzuweisen ist. Es gebe zu große Schwankungen, sagte Stefan Jacobi vom HLUG der Deutschen Presseagentur. Dennoch hält er die Umweltzonen für sinnvoll: „Die Idee ist die richtige. “ Denn Ziel müsse sein, die Luftbelastung zu senken.

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Breite Front gegen eine Umweltzone

In Hessen haben Frankfurt und Wiesbaden bereits eine Umweltzone. In Offenbach wird die Umweltzone aller Voraussicht nach 2015 kommen. Der Luftreinhalteplan aus dem Jahr 2010 soll dann umgesetzt werden. Eine Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen das Land Hessen und die Beteiligung der Grünen an der neuen Landesregierung haben die Umsetzung in Offenbach vorangetrieben. Das Stadtparlament in Darmstadt hat vor wenigen Wochen für die Umweltzone gestimmt, jetzt fehlt noch grünes Licht von der Landesregierung, dann könnte sie noch in diesem Jahr eingerichtet werden. Nach Messungen des Umweltbundesamtes (UBA) hat die Feinstaub-Belastung der Luft in Deutschland wieder deutlich zugenommen. Bereits jetzt seien Grenzwerte, die von der Europäischen Union für das gesamte Jahr vorgegeben sind, an einigen Messstellen überschritten.

Als Feinstaub bezeichnet man winzige Partikel in der Luft, die beim Einatmen gefährlich für die Gesundheit sein können – bis hin zu Lungenkrebs und Herzinfarkt. Nach geltendem EU-Recht sind an einer Messstation nur an 35 Tagen im Jahr maximal 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft erlaubt. In Stuttgart war dieser Jahreswert mit 36 Tagen bereits Mitte März erreicht. Berlin und Frankfurt (Oder) sind mit 33 und 32 Tagen kurz davor.

Ohne Regen wird Luft in Städten immer dicker

In Hessen registrierte das Landesamt in diesem Jahr bis vergangenen Sonntag in Kassel bereits 20 Tage mit einer Überschreitung dieses Werts, im ganzen vergangenen Jahr waren es dort 19. An der Unteren Grenzstraße in Offenbach wurde der Grenzwert in diesem Jahr 14-mal überschritten, an der Hügelstraße in Darmstadt 12-mal. Ähnlich sieht es in Frankfurt aus. In Hanau registrierten die Messgeräte sechs Überschreitungen in diesem Jahr. Auch im Odenwald-Städtchen Reinheim wurden bereits zehn Tage mit mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter Luft gemessen. Einzige „jungfräuliche“ Messstation des HLUG: der kleine Feldberg.

In Frankfurt wurde der EU-Grenzwert trotz Umweltzone in den Jahren 2009 und 2011 überschritten. Umweltzonen müssten so groß wie möglich sein und konsequent überwacht werden, sagte Jacobi. Außerdem müssten die Emissionsstandards der Automotoren weiter gesenkt werden – das aber sei Aufgabe der EU.

Laut Jacobi ist noch nicht ausgemacht, dass in diesem Jahr die 35 Tage-Grenze in Hessen überschritten wird. Im vergangenen Jahr habe die Hauptbelastung in den ersten Monaten gelegen, im Sommer gebe es generell weniger Überschreitungen, und der milde Herbst habe ebenfalls relativ wenige Tage mit hoher Belastung gebracht.

Seit Jahresanfang habe es besonders oft sogenannte austauscharme Wetterlagen gegeben. Dann sammeln sich Schadstoffe in Bodennähe an, weil kein Wind sie weg weht und Regen sie nicht auswäscht. „Das Wetter ist nicht der Grund für die schlechte Luftqualität, es hat aber Einfluss auf die Konzentration der Schadstoffe“, sagte Jacobi. Staub aus der Sahara sei Anfang April an der Luftbelastung beteiligt gewesen. Vor allem Nordhessen sei betroffen gewesen.

dpa/re

Quelle: op-online.de

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