Keine Wespenplage in diesem Jahr

Unbeliebte Buffetschnorrer

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Die Wespe liebt Süßes und sucht für den Nachwuchs Proteinreiches wie Fleisch.

Rhein-Main - Sie sind bei Schlemmereien im Freien meist ungebetene Gäste und rufen in vielen Fällen unkontrollierte Bewegungen und wildes Armgefuchtel hervor. Von Jenny Bieniek

Wo Wespen sind, bricht schnell Panik aus. Nicht ohne Grund: Rund drei Millionen Deutsche reagieren allergisch auf Bienen- oder Wespenstiche. Auch wenn es viele Menschen in diesen Tagen anders empfinden - von einer besonders großen Population kann in diesem Jahr keine Rede sein. „Es war schon schlimmer“, relativiert Klaus Kreft, Vorsitzender des NABU-Kreisverbandes.

Die Biene dagegen bevorzugt Blütennektar.

Durch den vielen Regen im Frühjahr sei die Fortpflanzung der Tiere nicht richtig in die Gänge gekommen. „Mit einer Plage hat das Ganze also nichts zu tun“, so der Naturschützer. Und: „Von den verschiedenen Wespenarten, die bei uns heimisch sind, laden sich ohnehin nur zwei gerne selbst zum Essen ein“, erklärt der NABU-Chef.

Günter Gaiser vom Fachdienst Umwelt für den Kreis Offenbach wird konkreter: „Um diese Jahreszeit sind eigentlich nur noch drei Arten übrig: Die harmlose Hornisse, die entgegen der verbreiteten Mär selten aufdringlich wird und vorwiegend andere Insekten jagt, sowie die Deutsche und die Gemeine Wespe“, so Gaiser. Nur die beiden Letztgenannten zählen zu den unbeliebten „Küchentischwespen“. Sie befinden sich derzeit in ihrer Hochphase des Nestbaus und sind zwecks Fütterung viel unterwegs. Bei den Menschen entsteht deshalb der Eindruck, es seien diesmal besonders viele Exemplare.

Die Biene dagegen bevorzugt Blütennektar.

Weil ständig Nachkommen produziert werden, müssen die umherfliegenden Arbeiterinnen-Wespen proteinreiche Nahrung beischaffen. „Eigentlich jagen Wespen eher andere Insekten, um damit die Nachkommen aufzuziehen“, erklärt Klaus Kreft. Ein Grillbuffet wirkt aus dieser Sicht aber wie ein riesiger Eiweiß-Selbstbedienungsladen. Die Wespen selbst bevorzugen Kohlenhydrate. Süßes Gebäck, Kuchen oder Marmelade wirken besonders anziehend.

„Demnächst entwickeln sich die Geschlechtstiere, später verlassen die Jungköniginnen das Nest“, weiß Günter Gaiser, der für die Untere Naturschutzbehörde (UNB) auch in der Wespen- und Hornissenberatung tätig ist. Auch Klaus Kreft rechnet nicht mit einem baldigen Verschwinden der ungeliebten Insekten. „Solange es warm ist, bleiben auch die Wespen“, erklärt er. Erst mit beginnendem Nachtfrost sterben Arbeiterinnen und männliche Drohnen ab. Bis in den Oktober hinein müsse man aber mit ihnen rechnen. Vor allem in der Fallobstzeit finde die Wespe ausreichend Nahrung.

Für alle, die jetzt schon genug von den fliegenden Quälgeistern haben, hat UNB-Mann Günter Gaiser einen kleinen Trost parat: „Bis Oktober oder spätestens November ist das Nest endgültig abgestorben. Nur die Königin überlebt und fällt in eine Art Winterstarre.“

Übrigens: Viele Menschen verwechseln Wespen gerne mit Bienen. Eine bekannte Kinder-Zeichentrickserie dürfte dabei nicht ganz unschuldig sein. Denn die markanten gelb-schwarzen Streifen sind eigentlich das charakteristische Kostüm der Wespe. Die meisten Bienen sind dunkler als Wespen, meist bräunlich mit einem deutlich gedämpfteren Gelbton, und bevorzugen in der Regel Blütennektar. Lediglich die Große Wollbiene weist eine ähnlich Farbgebung wie Wespen auf, ihr Muster ist aber nicht durchgängig.

Und noch ein Missverständnis sei an dieser Stelle aus der Welt geräumt: Bienen können in ihrem Leben nur ein einziges Mal zustechen und sterben kurz nach dieser Attacke. Denn während der Stachel der Biene einen Widerhaken aufweist, der beim Versuch des Loskommens bewirkt, dass die Biene sich ihren Stechapparat aus dem Hinterleib reißt, ist das Zurückziehen des Stachels bei Wespen kein Problem. Sie überstehen einen Angriff in der Regel unbeschadet.

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Um sich Wespen beim Picknick im Freien vom Leib zu halten, helfen folgende Tipps:

- Auf Parfum, bunte und schwarze Kleidung verzichten

- Legen Sie „Ablenkungsbeute“ in einiger Entfernung aus. Zuckerwasser, Plunder oder verfaultes Obst ist besonders attraktiv

- Vermeiden Sie wildes Armfuchteln und Wegpusten, das macht die Tiere aggressiv

- Bringen Sie Fliegennetze an Ihren Balkontüren und oft gekippten Fenstern an

- Getränke immer abdecken und wenn möglich mit Strohhalmen trinken. So vermeiden Sie gefährliche Stiche im Mund- und Rachenraum.

Quelle: op-online.de

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