Unberührt seit dem Dreißigjährigen Krieg

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Vor der Auktion prüften Experten die Geldstücke.

Frankfurt/Rhein-Main -   Herborn Es war der 31. Oktober 1984, als Friedhelm Scholl, frischgebackener Besitzer eines Fachwerkhauses in Herborn, bei Renovierungsarbeiten im Keller auf einen Schatz stieß. Von Elmar Stephan

In einem zerbrochenen Tonkrug fand er einen Klumpen zusammengebackener Münzen. Beim hessischen Landesamt für Denkmalpflege in Marburg wurde der Fund begutachtet.

Insgesamt waren es zehn Gold- und mehr als 1000 Silbermünzen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, die wahrscheinlich um das Jahr 1622 versteckt wurden. Jetzt kamen die Münzen in Osnabrück unter den Hammer. Alle wurden verkauft, inklusive Steuern und Auktionsgebühren für mehr als 115 000 Euro.

In Hessen wie auch einigen anderen Bundesländern gelte bei Funden dieser Art das Bürgerliche Gesetzbuch, das dem Finder und dem Grundstückseigentümer jeweils 50 Prozent des Fundes zuspreche, erläuterte Münzauktionator Fritz Rudolf Künker. Aber nicht in allen Bundesländern gelte diese Regel. In einigen Regionen Deutschlands falle der Fund nach Landesrecht dem Staat zu; die Finder würden leer ausgehen. In der Folge würden Funde oft gar nicht gemeldet oder in einem Land, in dem die großzügigere Regel gelte. „Es ist doch merkwürdig, dass in Bayern so viele Funde gemacht werden und in Baden-Württemberg fast gar keine“, sagte er.

Beim “Münzschatz von Herborn“ ist alles mustergültig abgelaufen“, sagt Künker. Seit kurzem sei die Numismatiker-Szene in Deutschland allerdings alarmiert, weil die Polizei Hobbysammler mit Ermittlungsverfahren wegen Hehlerei überzöge, betonte der Münzexperte. Als Beispiel nannte er den Fall einer hessischen Geschichtslehrerin, die bei Ebay zehn römische Bronzemünzen ersteigert hatte. Das Verfahren wurde eingestellt. Mittlerweile verlangten die Behörden eine lückenlose Dokumentation der Herkunft der Münzen, was allerdings oft kaum möglich sei. „Die Kaufkraft der Münzen von Herborn entsprach etwa drei Jahresgehältern eines Schreinermeisters“, erläutert Künker. Wegen des vielen Kleingeldes glaube er, dass es sich um die Kasse eines Händlers handelte. Vermutlich wurde das Geld zu Kriegszeiten aus Angst vor plündernden Truppen versteckt. Möglicherweise starb der Besitzer, bevor er es wieder bergen konnte.

Quelle: op-online.de

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