„...und wir haben sie hier gebaut!“

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Die Druckmaschinenbauer besuchen ihr Werk, wo sie zum Teil jahrzehntelang tätig waren - es ist ein Abschied für immer.

Mainhausen ‐ „Das ist doch der Josef!“ Die muntere Schar älterer Herren geht auf einen Arbeiter zu, der gerade das Werksgelände von „manroland“ in Mainflingen verlassen will. Ein Wiedersehen, ein Händedruck, ein Plausch. Von Thomas Hanel

Dann ruft Betriebsratsvorsitzender Harald Brehm seine Leute zusammen. 70 ehemalige Mitarbeiter des Druckmaschinenbauers treffen sich zur Besichtigung des Werkes, in dem sie teilweise Jahrzehnte lang gearbeitet haben - und das jetzt dicht gemacht wird.

Ab 1. März 2010 werden in Mainflingen keine Druckmaschinen mehr gebaut. Hier entstehen sowohl die größte als auch die kleinste Bogendruckmaschine des Unternehmens, überwiegend für den Export. Die genaue Zukunft der Hallen und Büros ist noch nicht klar, vielleicht wird es ja ein Auslieferungslager für diejenigen Maschinen, die künftig zentral am Offenbacher Sitz des Unternehmens gefertigt werden. 287 Mitarbeiter sind es derzeit noch, 160 von den Mainflingern werden nach Offenbach mitgehen. Für die anderen wird es Altersteilzeit geben, Aufhebungsverträge, eine Qualifizierungs-Maßnahme. Auf betriebsbedingte Kündigungen hofft man verzichten zu können. „manroland“ will in diesem Jahr an beiden Standorten insgesamt mindestens 515 von rund 2800 Arbeitsplätzen streichen. Zu Hochzeiten waren es 5000.

Wirtschaftslage lässt nur Konzentration zu

Herbert Reisert arbeitete 30 Jahre im Mainflinger Werk. „Andere Zeiten, die kannten wir auch noch“, sagte er mit ein wenig Wehmut in der Stimme. Doch die Wirtschaftslage lasse augenscheinlich nur noch die Konzentration des Maschinenbauers auf weniger Standorte zu. „1991 haben wir noch Pläne gesehen für zwei neue Hallen, so groß wie die, die von der Straße aus zu sehen ist.“ Doch kurze Zeit später verschwanden die Pläne in der Schublade.

Stolz sind sie auf das, was sie in Mainflingen gebaut haben. Absolute Präzisionstechnik, hochkomplizierte Fertigung, ausgeklügelte Verfahrenstechnik. Und im Fachjargon sind sie auch als Rentner immer noch bewandert. „Die vierundvierziger Format acht Wendemaschine war der absolute Höhepunkt. Und wir haben sie hier gebaut!“ Demnächst wird sie in Mainflingen wohl nur noch verpackt.

Werner Weber, seit 36 Jahren bei dem Unternehmen und seit 14 Jahren in Mainflingen, ist Montageleiter. Er zeigt Verständnis für den Konzern. „Die Konzentration der Fertigung in Offenbach ist sinnvoll. Der Kostendruck ist da, die Zusammenführung ermöglicht eine kompaktere und flexiblere Produktion“, so der Maschinenbauer. Allerdings sieht Weber auch die Nachteile. „Die Leute, allesamt aus hiesiger Region, müssen länger fahren, sich umstellen.“ Aber: „Die Kompetenz ist da, diese hochkomplizierten Maschinen zu bauen. Das können unsere Leute. Wir bauen hier den Mercedes der Druckmaschine!

Als eines der ersten Unternehmen flexible Arbeitszeiten

Dreher hat Herwig Guschlbauer bei Roland gelernt und ist dem Unternehmen sein ganzes Arbeitsleben lang treu geblieben, zunächst als Facharbeiter, später als freigestellter Betriebsrat. „Wir haben hier viel erreicht“, erzählt der rüstige Rentner. So habe man als eines der ersten Unternehmen flexible Arbeitszeiten und Gleitzeit eingeführt. „Bevor wir diese Strukturen hatten, brach bei Schichtbeginn und Schichtende der ganze Verkehr in Mainflingen zusammen“, erinnert sich Guschlbauer.

Und die versammelten Herren erinnern sich auch noch an andere Geschichten. So an einen Hallenmeister, der die Angewohnheit hatte, auf dem Boden herumliegende Kartons immer mit dem Fuß wegzukicken, wenn er zwischen den Arbeitsplätzen unterwegs war. Nur einmal hatte er ein sehr schmerzhaftes Erlebnis, weil seine Kollegen einen Eisenklotz in einem leeren Karton versteckten… Und man sei, so erinnert man sich auch noch, schließlich das einzige Unternehmen mit eigenem Hallenbad - sogar direkt auf dem Werksgelände.

Unternhemen kämpft mit Auftragseinbrüchen

Mit schnelleren, leistungsfähigeren Maschinen und einer stärkeren Konzentration auf den hochwertigen Verpackungsdruck versuchte die mehrheitlich dem Finanzinvestor Allianz Capital Partners gehörende „manroland AG“ im Bogendruckbereich aus eigener Kraft aus der Krise zu kommen. Das Unternehmen kämpft jedoch mit Auftragseinbrüchen. Im ersten Halbjahr sank der Umsatz des Konzerns um 30 Prozent.

Eine angestrebte Fusion mit dem wirtschaftlich angeschlagenen Konkurrenten Heidelberger Druck war jüngst geplatzt. Beide gehören mit Koenig & Bauer zu den internationalen Marktführern im Druckmaschinenbau. Die deutschen Firmen teilten sich in den vergangenen Jahren zwei Drittel des Weltmarkts im Druckmaschinenbereich. Mit die wichtigsten Wettbewerber sitzen in Japan.

Quelle: op-online.de

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