Beschädigte Behälter mit radioaktivem Material

Undichte Atomfässer in Hessen

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Fast 2000 entdeckte Fälle von verrosteten oder anderweitig beschädigten Behältern verzeichnen die Behörden.

Offenbach - An Kernkraftwerken oder in Zwischenlagern haben Kontrolleure Hunderte beschädigte Fässer mit Atommüll gefunden - auch in Hessen. Das berichtet das TV-Magazin „Panorama 3“ im Norddeutschen Rundfunk (NDR) und beruft sich auf Aufsichtsbehörden.

Die deutschen Behörden haben in den vergangenen Jahren knapp 2000 Fälle von verrosteten oder anderweitig beschädigten Atommüll-Behältern an deutschen Kernkraftwerken, in Zwischenlagern und Landessammelstellen registriert. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des NDR-Magazins „Panorama 3“ unter den Aufsichtsbehörden der 16 Bundesländer, wie der NDR mitteilte. Damit gebe es deutlich mehr Fälle von beschädigten Atommüllfässern als bislang angenommen, hieß es. Demnach lagern etwa in der Landessammelstelle in Ebsdorfergrund bei Marburg und auch am Atomkraftwerk Biblis etliche zu beanstande Fässer.

Besonders problematisch ist die Situation im größten oberirdischen Zwischenlager in Karlsruhe, wo Prüfer mehr als 1700 beschädigte Behälter gefunden hätten. Ein Sprecher der für die Entsorgung der Anlage zuständigen Firma WAK GmbH bestätigte den Bericht. Die Zahl von 1692 Fässern mit Rostschäden entspreche einem Anteil von weniger als zehn Prozent aller zwischengelagerten Atommüllfässer. Bei Beginn der Lagerung sei nicht erwartet worden, dass die Zwischenlagerung bis zum Transport in ein Endlager so lange dauern werde. Die Anzahl der beschädigten Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen könnte noch weitaus höher sein. Er gehe davon aus, dass bei genauerer Inspektion weitere Schäden gefunden würden, sagte Michael Sailer, Atomexperte des Öko-Instituts. „Aus meiner Sicht sehen wir bislang nur die Spitze des Eisbergs und wissen nicht, wie groß der Eisberg unter Wasser ist.“

Unterdessen wurde bekannt, dass Deutschland wahrscheinlich deutlich mehr entsorgen muss als bislang angenommen. Allein die Menge des schwach- und mittelradioaktiven Abfalls könnte sich auf 600 000 Kubikmeter verdoppeln, heißt es im Entwurf eines nationalen Entsorgungsplans, der derzeit zwischen Bundesregierung und Ländern abgestimmt wird. Das für diese Abfälle geplante Endlager Schacht Konrad in Salzgitter ist bisher nur für 303 000 Kubikmeter genehmigt. Es soll nach jahrelangen Verzögerungen im Jahr 2022 in Betrieb gehen.

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Hauptgrund für das Anwachsen sind 200 000 Kubikmeter an kontaminiertem Material, die - falls überhaupt möglich - aus dem maroden früheren Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel geborgen werden sollen. Hierfür könnte ein weiteres Endlager notwendig werden. 90 Prozent der deutschen Atomabfälle sind schwach- und mittelradioaktiv, von Bauteilen der Atomkraftwerke bis zum Strahlenschutzanzug. Laut Bundesamt für Strahlenschutz machen diese Abfälle aber nur etwa 0,1 Prozent der gesamten Radioaktivität aus. Für die hoch radioaktiven Abfälle gibt es noch kein Endlager, es soll ab 2016 bundesweit gesucht werden und bis 2031 gefunden sein. Dieser stark strahlende Müll wird bisher vor allem im Zwischenlager Gorleben und an den Atomkraftwerken in Castor-Behältern zwischengelagert.

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(dpa/epd/psh)

Quelle: op-online.de

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