Kräftiger Tritt aufs Gas

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Junge Männer und Motorradfahrer sind statistisch gesehen überdurchschnittlich oft an Unfällen beteiligt, die auf „nicht angepasste Geschwindigkeit“ zurückzuführen sind.

Stuttgart/Offenbach ‐ Die Zahl der durch Raserei ausgelösten Verkehrsunfälle mit Toten und Schwerverletzten ist 2009 gegen den Trend der vergangenen Jahre wieder gestiegen. Von Ralf Enders

Junge Männer und Motorradfahrer sind statistisch gesehen überdurchschnittlich oft an Unfällen beteiligt, die auf „nicht angepasste Geschwindigkeit“ zurückzuführen sind. Das sind die Ergebnisse einer Studie des Auto Club Europa (ACE) unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Der Club kritisierte wegen der neuen Zahlen die Politiker in Bund und Ländern. Sie gingen häufig nur „mit gebremstem Schaum“ gegen Raser vor. So verzögerten sie etwa die vom ACE geforderten Geschwindigkeitskontrollen nicht nur an einem Punkt, sondern auf einem längeren Abschnitt, die sogenannte Section Control.

Die Polizei in Offenbach kann den deutschlandweiten Trend glücklicherweise nicht bestätigen: Die Zahl der Raserunfälle in Stadt und Kreis Offenbach ging 2009 gegenüber 2008 sogar um elf auf 333 zurück. Ein Mensch kam dabei ums Leben, 39 wurden schwer und 125 leicht verletzt.

Auch auf den Autobahnen in der Region ereigneten sich im vergangenen Jahr entgegen der bundesweiten Entwicklung weniger Unfälle durch Raser als 2008. 310-mal krachte es noch gegenüber 343-mal im Jahr zuvor. Dabei starben 2009 drei Menschen. Unfallschwerpunkte sind Hauptkommissarin Susanne Wendt zufolge die Ein- und Ausfahrten Neu-Isenburg und Langen an der A 661. Vor allem bei Nässe würden dort viele zu schnell fahren.

40 Prozent der Toten geht auf das Konto von Rasern

Warum die Entwicklung in der Region gegenläufig ist, ist nicht bekannt. Ursachen dürften unter anderem die dichte Besiedlung und die relativ viel befahrenen Autobahnen sein.

Ein paar bundesweite Zahlen: Im vergangenen Jahr ereigneten sich 56.874 Raserunfälle - 2,1 Prozent mehr als 2008. Und das, obwohl Anfang 2009 die Bußgelder für Raser teils drastisch erhöht wurden. Mit 15,1 Prozent ist zu schnelles Fahren auf Rang 2 der Unfallursachen vorgerückt. Mangelnde Aufmerksamkeit, etwa durch Handygespräche oder Kinder auf dem Rücksitz, rangiert ganz oben. 40 Prozent der Verkehrstoten 2009 starben wegen zu schnellen Fahrens, 27 Prozent der Schwerverletzten gehen auf das Konto von Rasern.

Rheinland-Pfalz belegt mit 1.227 Tempounfällen pro einer Million Einwohner den unrühmlichen Spitzenplatz vor Thüringen und Schleswig-Holstein. Auch Hessen liegt mit 836 über dem Bundesdurchschnitt von 778. Die wenigsten Raserunfälle gemessen an der Einwohnerzahl ereignen sich in Berlin (450).

„Zu schnelles Fahren hat sich offenbar zum Volkssport entwickelt“, klagt der ACE und verweist darauf, dass fast 5,2 Millionen Führerscheinbesitzer aus diesem Grund im Flensburger Verkehrszentralregister eingetragen sind.

Bußgeld, Punkte, Führerscheinentzug

Zum 1. Februar 2009 wurden die Strafen für Raser letztmals verschärft. Dem aktuellen Bußgeldkatalog zufolge muss zum Beispiel 240 Euro bezahlen, wer außerorts mehr als 51 Stundenkilometer zu schnell unterwegs ist; bei 61 km/h zu viel sind es sogar 440 Euro. Hinzu kommen jeweils vier Punkte in der Verkehrssünderkartei in Flensburg und ein Fahrverbot von einem oder zwei Monaten.

Innerorts sind ab 21 km/h zu schnell 80 Euro Strafe fällig. Wer mehr als 51 km/h zu schnell ist, muss 280 Euro zahlen, bekommt vier Punkte und zwei Monate den Führerschein entzogen.

Auf Autobahnen gilt in Deutschland eine Richtgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern. Wer schneller fährt, begeht zwar keine Ordnungswidrigkeit, kann sich dem ACE zufolge bei einem Unfall aber nicht grundsätzlich auf ein „unabwendbares Ereignis“ berufen. Im Klartext: Selbst wenn ihn keine Schuld trifft, muss er für einen Teil des fremden und eigenen Schadens aufkommen.

Quelle: op-online.de

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