Todesfälle, Überfälle, Vermisstenfälle

Ungeklärte Verbrechen aus Hessen

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Frankfurt/Wiesbaden/Offenbach - Ein getötetes Baby, Angriffe auf einen Islamkritiker, ein verschwundener Rentner oder der grausame Tod des Schülers Tristan: Das sind einige Beispiele spektakulärer Verbrechen aus Hessen, die bislang von der Polizei nicht aufgeklärt werden konnten.

Der gewaltsame Tod eines Babys und die tödlichen Schüsse auf einen Familienvater gehören zu den schweren unaufgeklärten Verbrechen in Hessen aus dem Jahr 2013. Noch unbekannt sind auch Motiv und Täter des zweiten Anschlags auf den Islamkritiker Zahid Khan sowie der Verbleib der Leiche eines Rentners aus Wiesbaden, wie eine landesweite Umfrage bei Polizeiinspektionen und Staatsanwaltschaften ergab. Auch einige unaufgeklärte Kapitalverbrechen aus den Vorjahren beschäftigten die Ermittler. Ein neuer Ermittlungsansatz und eine Belohnung von 100.000 Euro für Hinweise auf den Täter rückten den grausamen Tod des Frankfurter Schülers Tristan Brübach vor 15 Jahren wieder in den Blick. Rund 300 Hinweise gingen nach einem neuen Dokumentarfilm über das Verbrechen ein, eine heiße Spur war ersten Ermittlungen aber nicht darunter.

Ein herbeigerufener Notarzt konnte in einer Wohnung in Bad Arolsen nur noch den Tod eines vier Monate alten Mädchens feststellen. Die Obduktion ergab, dass es an einem Schädelbruch und an einem sogenannten Schütteltrauma starb. Im Fokus der Ermittlungen stehen seit der Tat Ende Mai die damals 18 Jahre alte Mutter aus dem Main-Tauber-Kreis (Baden-Württemberg), ihr Freund und dessen Schwester, die zur Tatzeit alle in der Wohnung waren. Aufgeklärt werden konnte der Fall aber noch nicht. In Wiesbaden wird seit Mitte August ein 76 Jahre alter Rentner vermisst. Die Polizei geht davon aus, dass er umgebracht wurde. In seiner Wohnung seien Blutspuren gefunden worden, "die sich nicht mit normalen Abläufen erklären lassen", wie ein Polizeisprecher sagte. Verdächtigt wird ein 38-Jähriger aus Niedernhausen, der bereits in Untersuchungshaft sitzt. Eine Leiche wurde allerdings noch nicht gefunden.

Anschläge auf Islamkritiker

Wer die tödlichen Schüsse auf einen Familienvater in Hanau abgab, ist nach Darstellung der Staatsanwaltschaft noch nicht abschließend geklärt. Die Polizei nahm zwar bald nach der Tat im September einen Verdächtigen fest, die Ermittlungen dauerten aber noch an, ein Ergebnis sei nicht absehbar, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Jürgen Heinze. Gleich zwei Anschlägen entging der Islamkritiker Zahid Khan. Der erste - vor seinem Haus im südhessischen Nieder-Roden im Sommer - war nach Überzeugung der Ermittler ein Mordanschlag. Drei Beschuldigte sitzen deshalb in Untersuchungshaft, einer von ihnen als mutmaßlicher Auftraggeber. Beim zweiten Anschlag dagegen sind Motiv und Täter noch völlig offen. Gesucht werden seit Ende November ein 30 bis 40 Jahre alter Mann und ein weißer Kastenwagen.

Wer für die Sprengstoffexplosion verantwortlich ist, bei der zwei Brüder (7 und 13 Jahre alt) im November in einem Hinterhof in Kassel  schwer verletzt worden sind, ist noch immer unklar. Die Jungs hatten im Hinterhof einer Kfz-Werkstatt auf dem Anwesen ihres Großvaters Fußball gespeilt und dabei einen Eimer auf einem geschlossenen Metallcontainer getroffen. Als der 13-Jährige den Eimer wieder aufrichten wollte, detonierte dieser mit einer Stichflamme und mehrere Glasscheiben gingen durch die Druckwelle zu Bruch. Offen ist auch, wer eine 62 Jahre alte Frau in einer Villen-Gegend in Bad Hersfeld so stark zusammengeschlagen hat, dass sie tagelang im Koma lag. Die Ermittlungen gegen den zunächst verdächtigen Ehemann wurden wieder eingestellt. Einbruchsspuren fanden sich bei dem versuchten Totschlag im Januar in dem Haus des Paares aber auch nicht.

Ein mutmaßlicher Sexualtäter, der in Frankfurt sechs Frauen angefallen hat, konnte noch nicht gefunden werden. Der 30 bis 35 Jahre alte Beschuldigte soll seine Opfer seit Oktober brutal überfallen haben. Einige versuchte er auch zu vergewaltigen. Von den Unbekannten, die zwei Männer im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel mit einer Internet-Auktion in eine Falle gelockt haben, fehlt ebenfalls noch jede Spur. Als die 38 und 52 Jahre alten Männer im Frühjahr ihr vermeintlich ersteigertes Wohnmobil abholen wollten, drängte sie einer der Täter mit einer Schusswaffe und Reizgas in den Keller eines leerstehenden Gebäudes, nahm ihnen die vereinbarten rund 27.000 Euro ab und flüchtete mit dem Auto der Opfer.

Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern

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Auf freiem Fuß sind auch noch mehrere Räuber. Mit Vollgas sind Unbekannte im Dezember rückwärts in einen Frankfurter Juwelierladen gerast. Die Täter nahmen Schmuck im Wert von etwa 300.000 Euro mit. Um an Ringe, Colliers und Ketten zu kommen, fuhren sie mit dem Auto rückwärts gegen die Tür des Geschäfts, gingen hinein, rafften den Schmuck zusammen und brausten davon. Das Ganze dauerte nur etwa zwei Minuten. Auf ähnliche Art und Weise hatten Räuber in den vergangenen Jahren im Rhein-Main-Gebiet schon mehrfach Beute gemacht. "Der Fall ist nach wie vor nicht aufgeklärt", sagte ein Polizeisprecher. Von dem maskierten mit einer Pistole bewaffneten Unbekannten, der im Juni bei einem Banküberfall in Geisenheim mehrere zehntausend Euro erbeutet hat, fehlt ebenfalls noch jede Spur. Der Räuber wurde als etwa 50 Jahre alt, klein und korpulent beschrieben. Bekleidet war er mit einer sauberen, blauen Latzhose, die am Bauch spannte, und einer beigefarbenen, hüftlangen Jacke mit einem Reißverschluss.

Mehrere Zehntausend Euro haben auch zwei Räuber bei der Sprengung eines Geldautomaten in einer Bankfiliale im mittelhessischen Langgöns erbeutet. Die Unbekannten flüchteten nach der Tat Ende Februar mit einem gestohlenen, blauen Auto und stellten es wenige hundert Meter von der Bank entfernt ab. Der spektakuläre Fall war auch Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst", von den Tätern fehlt aber noch jede Spur. Ein mit Perücke, Hornbrille und aufgeklebtem Vollbart verkleideter Räuber gibt der Polizei in Kassel Rätsel auf. Von dem auffällig maskierten und bewaffneten Täter, der im Juni eine Sparkasse in Ihringshausen überfiel, mehrere Angestellte bedrohte und einen unbekannten Geldbetrag erbeutete, fehlt nach wie vor jede Spur.

(dpa)

Geiselnahme an der Jet-Tankstelle

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Quelle: op-online.de

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