Angst vor der falschen Pille

Frankfurt - Falsche Medikation ist eine häufige Fehlerquelle in Krankenhäusern. Das Uniklinikum Frankfurt hat jetzt ein Maßnahmenpaket vorgestellt, das Pannen bei der Arzneimittelabgabe verhindern soll. Von Harald Richter 

Mit einer eigenen Strategie will das Universitätsklinikum Frankfurt (UKF) Verabreichungsfehler verhindern und somit die Arzneimitteltherapie von Patienten sicherer machen. „Sie gilt momentan als fehleranfälligster Teil der medizinischen Versorgung, denn rund 80 Prozent aller Behandlungsirrtümer in Krankenhäusern passieren bei der Medikation. Die Folgen können lebensbedrohlich sein“, sagt der Ärztliche Direktor Professor Jürgen Schölmerisch. „Bislang wurden solche Fehler in Deutschland nicht systematisch erfasst. Hier setzt unser Konzept an.“ Es beinhaltet Sicherungsvorkehrungen im Einkauf, beim Verordnen von Medikamenten sowie bei der Darreichung. Seit 2013 befasst sich eine hauseigene Arbeitsgruppe mit dem Thema.

In Deutschland sind aktuell rund 60 000 Präparate auf dem Markt, freiverkäufliche wie rezeptpflichtige. Eine verbreitete Fehlerquelle stellt die Verwechslung von ähnlich aussehenden und klingenden Medikamenten dar. Die Krankenhausapotheke vermeidet es inzwischen weitgehend, solche Packungen einzukaufen oder markiert sie zur besseren Unterscheidung. Mit den Herstellern wurde daran gearbeitet, die Verwechslungsgefahr zu minimieren. Erste Erfolge seien erreicht worden, betont Dr. Nils Keiner, Leiter der Klinikapotheke. „Verpackung und Schreibweisen wurden inzwischen verändert.“

Um Irrtümer künftig zu verhindern, wurde mit der methodischen Erfassung bereits aufgetretener Fehler begonnen. Ein spezielles Programm ermöglicht den Mitarbeitern des UKF, kritische Ereignisse und Beinahe-Schäden anonymisiert zu melden. „Das Berichtssystem liefert uns substanzielle Informationen“, ist Professor Sebastian Harder überzeugt. Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission am Institut für Klinische Pharmakologie betont, mit diesem Initiativpaket sei der Prozess keineswegs abgeschlossen: „Aktuell bereiten wir die Einführung eines elektronischen Expertensystems für die Verordnung von Medikamenten vor.“ Es soll Ende des Jahres stehen. Jedes neu verordnete Arzneimittel wird darin mit vorliegenden Daten zum Gesundheitszustand des Patienten und dessen bisheriger Medikation abgeglichen. Das Computerprogramm meldet, wenn der Betreffende etwas Falsches bekommt, etwas nicht richtig dosiert ist oder Präparate Unverträglichkeiten auslösen können und gibt Alarm.

Doch auch der Patient selbst kann mitwirken und Auffälligkeiten melden. Bereits bei der Aufnahme bekommt er einen neu aufgelegten Flyer zur Sicherheit der Arzneimitteltherapie an die Hand. Detailliert werden von der Therapievorbereitung über den stationären Aufenthalt bis zur Entlassung alle Aspekte thematisiert, die für die Fehlervermeidung relevant sind. Zentral ist dabei, dass der Patient die behandelnden Ärzte und Pfleger über alles informiert, was für die Medikation relevant sein könnte.

Quelle: op-online.de

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