Universitätsgelände soll Kultur-Campus werden

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Blick vom AfE-Turm auf den Campus Bockenheim der Goethe-Universität. Hier sollen in einigen Jahren die Musikhochschule und weitere Institutionen aus den Bereichen Musik, Tanz und Darstellende Kunst angesiedelt werden. Ziel ist ein Kultur-Campus.

Frankfurt ‐ Für Thomas Rietschel war gestern schon Weihnachten. So beschrieb der Präsident der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) Frankfurt seine Gefühle. Von Christian Riethmüller

Zuvor hatte der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) im Frankfurter Römer nämlich seinen Vorschlag unterbreitet hatte, die Musikhochschule auf dem frei werdenden Campus der Goethe-Universität in Bockenheim unterzubringen. Die HfMDK, die an ihrem jetzigen Standort an der Eschersheimer Landstraße aus allen Nähten bricht, soll in Bockenheim den Kern eines neuen Kultur-Campus bilden.

Dort sollen auch andere Institute und Institutionen aus den Bereichen Musik, Tanz und Darstellende Kunst angesiedelt werden, darunter auch die international renommierten Orchester Ensemble Modern und Junge Deutsche Philharmonie, William Forsythes berühmte Ballett-Truppe, die Dokumentationseinrichtung „Motion Bank“ oder auch das erst im vergangenen Jahr gegründete, dem Experiment wie der Nachwuchsförderung verpflichtete Frankfurt-LAB.

Acht bis zehn Stockwerke hoher Probenturm

Mit seinem Vorschlag greift Weimar, der Ende des Monats aus seinem Amt scheidet, ein Konzept auf, das ihm auf seine Aufforderung hin von der Musikhochschule unterbreitet worden ist. Die Pläne für den bis zu 120 Millionen Euro teuren Umzug der Musikhochschule und ihrer gut 800 Studierenden, 60 Professoren und  350 Lehrbeauftragten sehen die Renovierung und Instandsetzung bereits bestehender Gebäude, aber auch einige Neubauten auf dem Areal zwischen Bockenheimer Depot und Senckenbergmuseum vor.

So soll gegenüber der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein acht bis zehn Stockwerke hoher Probenturm errichtet werden. Hinter dem Studierendenhaus an der Gräfstraße soll ein mit modernster Technik ausgerüsteter Kammermusiksaal errichtet werden.

„Damit hat der Campus Bockenheim die Chance, sich nach dem Abzug der Goethe-Universität zu einem lebendigen und vielfältig genutzten Quartier zu entwickeln, das den Ruf Frankfurts als kulturelle Metropole stärken wird“, sagte der Finanzminister und dürfte damit auch der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) aus dem Herzen gesprochen haben, die betonte, dass die starke Konzentration von Kultureinrichtungen sowohl dem Image der Stadt diene als auch den internationalen Austausch bei Kunstprojekten intensiviere.

„Mutige Architektur“ für Neubauten

Thomas Rietschel sprach von einer „Riesenchance für die Hochschule, aber auch für die Stadt“, weil die mit dem wohl ab dem Jahr 2015 konkret werdenden Kultur-Campus dann auch international mit den großen Ausbildungszentren mithalten könne. Als sichtbares Zeichen für die Welt regte Rietschel eine „mutige Architektur“ für die Neubauten an.

Diese Empfehlung fand auch die Zustimmung des Finanzministers, der mit seinem Vorschlag für die Zukunft des Campus Bockenheim nicht nur einen Hochschulpräsidenten und eine Oberbürgermeisterin froh gestimmt hat, sondern auch den Applaus vieler Einwohner Bockenheims sicher haben dürfte. Dort war bei verschiedenen Bürgerversammlungen stets die Sorge geäußert worden, auf dem großen und für Investoren sicher reizvollen Universitätsgelände würde nach dem Wegzug der Goethe-Uni zu viel Gewerbe angesiedelt und eine anderweitige Nutzung in den Hintergrund gedrängt.

Wohnungen auf 23.500 Quadratmetern

Nach Weimars Plänen dürften sich nun gewerbliche und kulturelle wie wohnungsbauliche Nutzung des etwa 17 Hektar großen Areals in etwa die Waage halten. Es sei weiter vorgesehen, so Weimar, einen beträchtlichen Teil des Geländes als Wohnquartier zu nutzen. Derzeit verhandelt das Land Hessen über den Verkauf des nördlich des Bockenheimer Depots gelegenen unbebauten Bereichs.

Auf dem Areal sollen Wohnungen im Umfang von 23.500 Quadratmetern und Gewerbe im Umfang von 4500 Quadratmetern entstehen. Der Verkaufserlös wird dem Stiftungsvermögen der Goethe-Universität zufließen. Auch andere Teile des Geländes sind bereits verplant. So soll das Senckenbergmuseum erweitert und die alte Pharmazie umgebaut werden, um dort das LOEWE-Zentrum „Biodiversität und Klima“ unterzubringen. Außerdem ist an ein neues Planetarium gedacht.

Eigentumsverhältnisse neu ordnen

Bevor die ambitionierten Vorschläge und Ideen in die Tat umgesetzt werden können, sind allerdings noch einige baufachliche und haushaltsrechtliche Hürden zu nehmen, sprich, die Finanzierung muss gesichert sein. Ganz zu schweigen übrigens von den juristischen Knoten, die im Hintergrund noch entwirrt werden müssen.

Weil die Goethe-Universität eine von Bürgern gegründete Stiftungsuniversität ist, müssen gerade auf dem „Senckenberg-Areal“ noch etliche Grundstücks- und Eigentumsverhältnisse neu geordnet werden, die einst etwa von Stiftungen der Universität direkt oder aber ihr verbundenen Instituten übertragen worden sind. Bis das neue Stadtviertel erschaffen ist, dürfte also noch ein Jahrzehnt ins Land gehen.

Quelle: op-online.de

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