Unter Pseudonym geboren

Schwangeren wird anonyme Entbindung ermöglicht

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Bundesweit gibt es rund 100 Babyklappen. Trotz des neuen Gesetzes der vertraulichen Geburt bleiben diese umstrittenenen Einrichtungen auch weiterhin bestehen.

Offenbach - Immer wieder sorgen Berichte über tot aufgefundene Säuglinge für Fassungslosigkeit. Um solche Fälle zu verhindern, gibt es seit Jahren die umstrittenen Babyklappen. Seit Mai ermöglicht ein neues Gesetz es Schwangeren nun zudem, anonym zu entbinden. Von Sabrina Kristen 

Bereits im vergangenen Jahr beschloss die damals noch schwarz-gelbe Regierung das Gesetz, das es schwangeren Frauen ermöglicht, in einem Krankenhaus zu entbinden, ohne ihre Identität preiszugeben. Seit 1. Mai ist die „vertrauliche Geburt“ nun Wirklichkeit. Für alle Frauen, die trotz umfassender Beratung und individuellen Hilfsangeboten ihrer Anonymität nicht aufgeben wollen, gibt es nun diese neue Option. Eine „vertrauliche Geburt“ ist ein gesetzlich geregeltes Angebot für alle Frauen mit Anonymitätswunsch. Schwangere können so unter Pseudonym medizinisch sicher ihr Kind auf die Welt bringen. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Babys unter Umständen getötet, ausgesetzt oder misshandelt werden.

Ihren realen Vor- und Nachnamen muss die Frau nur einmal gegenüber ihrer Beraterin offenbaren. Diese ist zur Geheimhaltung verpflichtet. Der Vor- und Nachname wird im Anschluss in einem versiegelten Umschlag aufbewahrt. Möchte die Mutter ihr Kind später doch zurückhaben, erhält sie das Sorgerecht, sofern das Kindeswohl dadurch nicht gefährdet wird. Dazu hat sie mindestens ein Jahr Zeit, vorher erlauben die Gerichte in der Regel keine Adoption. Allerdings muss sie dazu ihre Anonymität aufgeben. Obwohl es bundesweit rund 100 Babyklappen gibt und bereits die Möglichkeit der anonymen Geburt besteht, stellt das neue Gesetz einen Fortschritt dar: Nun hat auch das Kind endlich das Recht, mehr über seine Abstammung zu erfahren. Mit 16 Jahren erhält das Kind die Möglichkeit, Einsicht in den Herkunftsnachweis zu nehmen und mehr über die Mutter zu erfahren.

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Bereits 1988 legte das Bundesverfassungsgericht fest, dass jeder Mensch ein Recht auf Kenntnis seiner Abstammung hat. Einer der Gründe, weshalb der Deutsche Ethikrat die Babyklappen stets kritisiert hat, da dem Kind so die Möglichkeit genommen wird, mehr über seine Abstammung zu erfahren. Nach den Zahlen des Deutschen Jugendinstituts wurden zwischen 1999 und 2010 in Deutschland 652 Kinder anonym geboren. 278 Kinder wurden in diesem Zeitraum bei einer Babyklappe abgegeben. Die Erfahrungen, die mit dem Gesetz zur vertraulichen Geburt gemacht werden, sollen nach drei Jahren ausgewertet werden. Dann wird auch überprüft, welche Auswirkungen es auf die anonyme Geburt von Kindern und die Abgabe in den Babyklappen hat.

Unter der kostenlosen und 24 Stunden erreichbaren Nummer 0800/40400 20 ist das Hilfetelefon für Schwangere in Not als eine erste Anlaufstelle da, die bei Bedarf auch eine mehrsprachige Beratung anbietet. Zudem erhalten Frauen unter www.geburt-vertraulich.de Informationen. Bald soll es auch das Angebot einer anonymen Online-Beratung geben.

Quelle: op-online.de

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