Kammern mahnen Schuldenabbau an

Unternehmen in Hessen zuversichtlich

Frankfurt ‐ Nach der schwersten Rezession der Nachkriegszeit in Deutschland kommt die hessische Wirtschaft in Schwung. Von Marc Kuhn

„Die Konjunktur hat wieder Tritt gefasst, das Wachstum wird aber bei weitem nicht ausreichen, um den Konsolidierungsdruck der öffentlichen Haushalte zu kompensieren“, sagte Mathias Müller, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern, gestern in Frankfurt zu einer Umfrage unter Unternehmen des Landes. Einen Schuldenabbau über Steuererhöhungen lehnte er ab. „Das wäre Gift“ für die Konjunktur. Der Präsident der Frankfurter Industrie- und Handelskammer (IHK) sprach sich für eine Senkung öffentlicher Ausgaben aus. Zudem sollte über einen Subventionsabbau nachgedacht werden. Bis Ende 2010 werden sich die Schulden in Hessen nach Einschätzung von Müller auf knapp 40 Milliarden Euro erhöhen. Auf jeden Bürger würden etwa 6 600 Euro entfallen. Müller rief die öffentlichen Haushalte zu einer strikten Konsolidierung auf.

Zudem forderte er Zurückhaltung bei den Lohnrunden. In der Krise habe es zwar eine „erfreuliche Stabilität auf dem Arbeitsmarkt“ gegeben. Ein Grund dafür sei die Kurzarbeit. Sie habe aber dazu geführt, dass die Lohnstückkosten stark gestiegen seien. Deshalb sprach sich Müller für Lohnzurückhaltung aus, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern.

Mehr als 80 Prozent der Firmen in Hessen hätten ihre gegenwärtige Geschäftslage bei der Umfrage als gut oder befriedigend bezeichnet, erklärte Müller weiter. Über 54 Prozent würden ihre Erwartungen für die nächsten Monate als befriedigend, fast 29 Prozent als gut bezeichnen, berichtete der Konjunkturexperte der Arbeitsgemeinschaft hessischer Kammern, Hubertus Hille. Der Geschäftsklimaindex liege nun bei 111,8 Punkten, 10,8 Zähler höher als zu Jahresbeginn. In Südhessen sei er um zehn auf 114,4 Punkte gestiegen. Im Norden des Landes ist der Indikator nach den Worten von Hille um sechs auf 108,1 Zähler geklettert. In Mittelhessen liege der Index bei 107,4 Punkten, 14,7 Zähler höher als zu Jahresbeginn. Die Auftragseingänge seien in Hessen kräftig gestiegen, erläuterte Müller. Starke Impulse gingen vom Export aus. Und: Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen kehre zurück. Hille sagte weiter, knapp 71 Prozent der befragten Firmen wollten ihren Personalbestand konstant halten. Rund 15 Prozent planten Einstellungen.

Auftragseingänge

bei Firmen

stark gestiegen

Quelle: op-online.de

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