Ministerin will an Schulen schummeln

Offenbach (psh) ‐ Das Reizthema Unterrichtsverbesserung an Hessens Schulen kommt wieder auf die Tagesordnung: Pläne von Kultusministerin Dorothea Henzler sorgen für Unruhe.

So verspricht sie zwar eine Erhöhung der Lehrerzuweisung an die Schulen um 0,75 Prozentpunkte auf 101 Prozent, verschweigt aber dabei, dass durch Änderungen beim Einsatz von Referendaren nicht mehr Unterrichtsstunden angeboten werden können. Nach Berechnungen kann es sogar sein, dass Schulen, die viele Referendare haben, nach den Sommerferien weniger Lehrerstunden zugewiesen bekommen.

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Darum geht es: Neben der höhereren Lehrerzuweisung (für ein fünfzügiges Gymnasium bedeutet ein Prozent über die Grundunterrichtsversorgung hinaus rund 20 Lehrerstunden mehr) wird der Unterricht der Referendare den Schulen künftig mit 8 statt bislang 6,4 Stunden bei der Zuweisung in Rechnung gestellt. Und das hat Folgen. Knud Dittmann, Vorsitzender des hessischen Philologenverbands, erklärt das Nullsummenspiel: „Wenn eine Schule zum Beispiel acht Referendare ausbildet, bekommt sie nominell für die Referendare statt vormals 8 x 6,4 = 51,2 Unterrichtsstunden nunmehr 8 x 8,0 = 64 Unterrichtsstunden auf die Lehrerversorgung angerechnet; die Differenz beträgt also 12,8 Unterrichtsstunden - dies entspricht etwa einer halben Lehrerstelle, um die die Schule nominell mehr Lehrerstunden hat, ohne dass sie faktisch auch nur eine einzige Unterrichtsstunde mehr zur Verfügung hätte.“

Anrechnung mit acht Stunden zu hoch

 Im Einzelfall könne dies nach Angaben des Leiters der Ricarda-Huch-Schule in Dreieich dazu führen, dass eine Schule deshalb keinen Bedarf mehr anmelden kann, sich somit schlechter stelle als vorher. Jürgen Hegener, Leiter des Mühlheimer Friedrich-Ebert-Gymnasiums, gibt zu bedenken, dass es auch Referendare gebe, „die ungeeignet sind und die die Schule gar nicht oder nur sehr eingeschränkt eigenverantwortlich bedarfsdeckend einsetzen kann“. Wenn man dies berücksichtige, sei eine Anrechnung mit acht Stunden zu hoch. Für weitere Schulleiter steht fest, dass die höherer Lehrerzuweisung durch die neue Referendarregelung wieder „abgefangen“ wird. „Die Pläne der Ministerin sind eine Mogelpackung“, so das Fazit von Helmut Deckert, Landeschef des Verbandes Bildung und Erziehung.

Quelle: op-online.de

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