Unterschied wie Tag und Nacht

Frankfurt (dpa/re) - Die erste stille Nacht ist am Frankfurter Flughafen ohne technische Probleme abgelaufen. Am Morgen danach verlangten Ausbaugegner und Oppositionsparteien eine dauerhafte Lösung. Und viele Anwohner wollen die neue Landebahn am liebsten wieder schließen.

Nach ihrer Überzeugung wird nämlich gerade der Beweis angetreten, dass es auch ohne Flüge in der Nacht geht. Der Sprecher der Vereinigung „Für Flörsheim“, Hans-Jakob Gall, berichtete, die Menschen im vom Fluglärm besonders getroffenen Flörsheim hätten eine sehr ruhige Nacht hinter sich. Das löse aber nicht die zusätzlichen Belastungen durch die neue Landebahn Nordwest, die tagsüber für bislang nicht gekannten Lärm sorge. Von der Anhörung heute im Landtag erwarte er, dass die Landespolitik erkenne, dass es mit zusätzlichen Belastungen nicht mehr weitergehe. Fluglärm sei kein lokales Problem der Flughafenanrainer, sondern eines der gesamten Rhein-Main-Region.

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„Es wird nicht leiser, der Lärmteppich wird nur größer“, sagte die Aktivistin Eleonore Wagner aus Kelsterbach. Erstmals seit Jahren habe sie wieder mit gekipptem Fenster schlafen können. Für Friedrich Quandt aus Offenbach ist das Nachtflugverbot nur ein kleines Mosaiksteinchen. Um 5 Uhr - die ersten Maschinen kamen gerade - habe er schon wieder senkrecht im Bett gestanden. Nach Quandts Ansicht müsse die „komplett fehlgeplante“ Landebahn Nordwest wegen der zusätzlichen Belastungen wieder geschlossen werden. „Der Planfeststellungsbeschluss muss aufgehoben werden.“ Er rechne mit weiteren rücksichtslosen Ausbauplanungen in wenigen Jahren, sagte der Offenbacher. Alternative Konzepte wie die Verlagerung der Frachtabfertigung an den Hunsrück-Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz seien nie ernsthaft geprüft worden.

Die Grünen im Landtag forderten, dass es auch tagsüber zu aktiven Fluglärmschutz geben müsse. „Die Landesregierung und Fraport hatten mehr als zehn Jahre lang Zeit, dies umzusetzen, und sie haben sich nur auf die Interessen der Luftverkehrswirtschaft und den Ausbau konzentriert“, kritisierte der Landtagsabgeordnete Frank Kaufmann.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Mathias Wagner, kritisierte zudem, dass der Hessische Rundfunk die Sondersitzung des Landtags heute ab 15 Uhr nicht live überträgt. Ungeachtet des „großen Unmuts“ im Rhein-Main-Gebiet zeige der hr stattdessen Sendungen wie „Eisenbahnromantik – Bahnabenteuer Rocky Mountains“.

Quelle: op-online.de

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