Unterstützung für Eltern

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Edith Jung

Dietzenbach - Die Erschütterung über den Tod eines dreijährigen Mädchens in Nürnberg ist dem Sozialdezernenten des Kreis Offenbach, Carsten Müller, noch anzumerken. Dieser Fall zeigt ihm einmal mehr, wie wichtig das Projekt „Keiner fällt durchs Netz“ ist. Von Christina Schäfer

Vor knapp zwei Jahren startete das Pilotprojekt im Kreis Offenbach, seitdem unterstützen Familienhebammen – Hebammen mit zweijähriger berufsbegleitender Zusatzqualifikation – Eltern während des ersten Lebensjahr des Kindes. Einmal in der Woche besucht die Fachkraft die Familie, gibt Ratschläge oder hilft der Mutter, wenn Hilfe benötigt wird.

Seit 21. Juli steht Edith Jung als Projektkoordinatorin an der Spitze der Familienhebammen im Kreis Offenbach. Die 59-Jährige koordiniert und pflegt das Netzwerk mit ergänzenden und weiterführenden Institutionen und Einrichtungen, die Hilfe bieten. „Keiner fällt durchs Netz“, soll primär der Prävention dienen und möchte vor allem Risiko-Familien erreichen. So sollen Vernachlässigung, Gewalt und Unterernährung wenn möglich vermieden oder zumindest früh genug erkannt werden.

Nach Angaben der Kinderärzte werden in Deutschland jährlich 100 Fälle von Kindesmisshandlung mit Todesfolge bekannt, die Dunkelziffer ist vermutlich zehn Mal so hoch“, sagte Müller. Außerdem würden bundesweit zudem Tausende von Kindern schwer vernachlässigt und misshandelt. „Deshalb brauchen wir stärker als bisher Zugang zu bestimmten Problemfamilien. Das Konzept ,Keiner fällt durchs Netz’ und die Familienhebammen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie, gefährdete Familien zu unterstützen, aber auch rechtzeitig genug einschreiten zu können, wenn wir sehen, dass die Eltern mit ihrer Situation und dem Baby nicht klarkommen.“

Bisher betreuten die Familienhebammen im Kreis Offenbach seit dem Start des Projektes insgesamt 89 Familien. Trotzdem musste viermal einer Familie, die durch die Familienhebammen betreut wurde, das Kind weggenommen werden, weil das Leben oder die Gesundheit der Säuglinge gefährdet waren.

Zur Zeit sind drei Frauen im Dienst für „Keiner fällt durchs Netz“ im Kreis Offenbach unterwegs und bieten ihre Hilfe an. Die Familien entscheiden selbst, ob sie das Angebot annehmen oder nicht. Ziel der Unterstützung ist es, die Situation in der Familie zu stabilisieren. Die ersten Kontakte zu den „Risikofamilien“ kommt über Hebammen, Gynäkologen oder auch das Jugendamt zustande. Oft seien es junge Frauen oder Alleinerziehende, die mit den Aufgaben des Mutterseins überfordert seien, so Jung. Finanziert wird das Projekt durch die Hessenstiftung „Familie hat Zukunft“, den Kreis Offenbach sowie bei medizinischen Besuchen durch die Krankenkassen.

Quelle: op-online.de

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