Untersuchung zu Fleesensee

Dietzenbach (mic) ‐ Bei der Aufarbeitung der wahrscheinlich verlustträchtigen Beteiligung des Kreises Offenbach an der Freizeitanlage Fleesensee in Mecklenburg-Vorpommern ist eine Wende eingetreten.

Einstimmig beschloss gestern der Kreistag einen Dringlichkeitsantrag der Grünen. Danach werden die Vertreter des Kreistags im Aufsichtsrat der Kreisversorgungsbeteiligungsgesellschaft (KVBG) aufgefordert, zu prüfen, ob man Schadensersatzansprüche gegenüber denjenigen Finanzdienstleistern oder Steuerberatern geltend machen kann, die dem Kreis zu dieser Geldanlage geraten haben. Gleichzeitig soll auch geprüft werden, ob es zu Versäumnissen bei der KVBG selbst gekommen ist. Bisher hatte die große Koalition von CDU und SPD nach Einschätzung von Kritikern bei der Frage, inwieweit es durch die Beteiligung an dem touristischen Entwicklungsprojekt zu Verlusten gekommen sein könnte, eine eher hinhaltende und aussitzende Haltung eingenommen.

Im Jahre 2000 hatte sich die KVBG mit acht Millionen Euro aus dem Verkauf ihrer EVO-Anteile an der Entwicklungsgesellschaft Fleesensee beteiligt. Reimund Butz von den Grünen sowie die Vertreter der Freien Wähler gehen derzeit von einem Totalverlust der Kreis-Investition aus.

Es sei, so Butz, klar, dass 34,9 Prozent des Zeichnungskapitals in Höhe von fast 180 Millionen Euro als eine Art Vermittlungsgebühr an die Initiatoren des Fleesensee-Projekts gegangen seien. Damit sind nach Einschätzung des Grünen-Fraktionschefs von vornherein 2,9 Millionen Euro des Kreis-Geldes in eine Art Courtage geflossen, aus der niemals Gewinn habe erzielt werden können. Außerdem müsse dem Verdacht nachgegangen werden, dass der Anleger hinsichtlich der Prospekthaftungsansprüche, des Risikos und der Beraterhaftung „bewusst getäuscht“ worden sei. „Unsere einzige Chance ist eine Schadenersatzklage“, so Butz. Sowohl SPD-Fraktionschef Werner Müller als auch Bernd Abeln, sein Amtskollege bei der CDU, zeigten sich einverstanden mit der Grünen-Initiative. Müller sieht allerdings wenig Chancen, einen Beratungsfehler nachzuweisen. Abeln sagte: „Seit zwei oder drei Jahren wird uns ständig unterstellt, wir hätten kein Interesse an einer Aufklärung. Diese Auffassung war schon immer falsch.“

Quelle: op-online.de

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