Wie Europas fortschrittlichstes Gepäckfördersystem den Frankfurter Flughafenbetreibern die kürzesten Umsteigezeiten sichert

Unterwegs auf der Koffer-Autobahn

Frankfurt - Bald stehen die Sommerferien wieder vor der Tür, und mit ihnen Tausende, die vom Frankfurter Flughafen aus zu ihren Urlaubszielen in der ganzen Welt aufbrechen. Viel zu tun für das eingespielte Team von Bodenpersonal und den Besatzungen der Flugzeuge.

Doch wie viel Arbeit wirklich dahinter steckt, bis eine rund 400 Tonnen schwere Boeing 747 sich in die Lüfte erhebt, wissen wohl die wenigsten der Passagiere.

Die Fluggäste bekommen beispielsweise von der Wartung, Betankung und Beladung in der Regel so gut wie nichts mit - sie dürfen erst einsteigen, wenn die Maschine startbereit ist. Dann stellt sich nur noch die Frage: Ist mein Koffer auch an Bord? Dafür sorgt am Frankfurter Flughafen Europas fortschrittlichstes Gepäckfördersystem. Dessen Bänder mit einer Gesamtlänge von rund 73 Kilometern beförderten im Jahr 2007 über 42 Millionen Gepäckstücke.

Dahinter steckt jedoch ein ausgeklügeltes technisches System. Neben dem Gepäck der Reisenden von und nach Frankfurt befördert die Anlage auch die Koffer von Passagieren, die in Frankfurt lediglich umsteigen. Dieses Gepäck macht mittlerweile etwa 57 Prozent des Aufkommens aus, wie Hubert Grünewald, Leiter Betrieb der Gepäckförderanlage bei Fraport, erläutert. Dabei ermögliche das Frankfurter System eine minimale Umsteigezeit von lediglich 45 Minuten, in der das Gepäck auch vom entferntesten Flugsteig rechtzeitig den Anschlussflug erreicht. „Das schaffen andere europäische Flughäfen wie beispielsweise London-Heathrow und Paris-Charles-de-Gaulle nicht“, sagt Grünewald. Diese sogenannte „Minimum Connecting Time“ sei gerade im Wettbewerb mit anderen europäischen Drehkreuzen ein wichtiger Standortfaktor.

Transportiert werden die Koffer in Metallchassis mit blauen Kunststoffwannen. Jedes dieser 17 500 Chassis ist mit einem individuellen sogenannten Hamming-Code gekennzeichnet, die Wanne mit einem Barcode. Dadurch „können wir jedes Gepäckstück überall in der Anlage finden und bei Bedarf heraus holen oder an einen andern Bestimmungsort umleiten“, sagt Grünewald. Dabei sind die Koffer mit bis zu 18 Stundenkilometern unterwegs. „Die Anlage könnte zwar noch schneller, allerdings wäre dann der Verschleiß am System höher, ohne dass es für uns einen Vorteil bringen würde“, erläutert der Leiter der Gepäckförderanlage.

Überwacht wird das gesamte System aus der großen Kommandozentrale im Terminal 1. Stolze 12 Meter misst die Kontrollwand, an der Hunderte von kleinen Lichtchen den elf Mitarbeitern hinter dem Steuerpult Auskunft über den Betrieb der einzelnen Abschnitte und über eventuelle Störungen geben. Diese gebe es immer wieder in dem riesigen System, in dem die Förderbänder teils auf drei Ebenen übereinander unterwegs sind. In der Regel seien sie allerdings innerhalb von acht bis 12 Minuten behoben, so Grünewald. „Der größte Feind des Gepäckfördersystems ist das Gepäck selbst“, sagt er. Oft verhakten sich lediglich Gurt oder Griffe der Gepäckstücke im System. Damit Störungen schnell beseitigt werden können, sitzen über das gesamte Gelände verteilt Techniker, die vom Kontrollzentrum an die jeweilige Stelle dirigiert werden können. So sei der Anfahrtsweg nie weiter als 500 Meter. Und falls doch mal ein größerer Defekt auftrete, könne man das Gepäck über Ausweichstrecken an den richtigen Ort leiten. „Zudem haben wir alle Rechner doppelt, falls mal einer ausfällt“, sagt Grünewald.

Besondere Anforderungen an das Gepäckfördersystem stellen zudem die scharfen Sicherheitskontrollen. Koffer, die früher bereits beim Einchecken durchleuchtet wurden, werden jetzt in der unterirdischen Förderanlage vollautomatisch durch große Röntgengeräte gefahren und überprüft. Ist alles in Ordnung, darf das Gepäck schließlich an Bord und die leere Wanne fährt zurück zum Check-In, wo eine neue Reise beginnt.

Quelle: op-online.de

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