Urlaub daheim: Besuch beim Vorbild des Burgenbaus

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Was vom Vorbild übrig blieb: die Wildenburg bei Kirchzell.

Kirchzell - Schlagen Sie zwei kulturhistorische Fliegen mit einer Klappe! Bei einer anspruchsvollen Wanderung rund um Kirchzell liegen zwei attraktive Sehenswürdigkeiten auf der Strecke: die Wildenburg und das Waldmuseum Watterbacher Haus. Von Ingrid Schick

Wir starten die „Tour de Burg“ am Gasthaus Zur Wildenburg im Kirchzeller Ortsteil Buch. Mit Blick auf das Sandsteinkirchlein gehen wir Richtung Dorf, überqueren die Mud, halten uns links und folgen dem Bachlauf, vorbei an einem lauschigen Rastplatz. Die Wegmarkierung „rote Raute“ leitet uns über eine sanft ansteigende Zufahrtsstraße, dann durch satte Wiesen, vorbei an der im Tal gelegenen Hofmühle in den Wald. Bald werden alte Feldsteine auf dem Weg sichtbar, mit denen die Zufahrt zur Burg anno dazumal gepflastert war. Nach einem steilen Aufstieg, der einem den Atem rauben kann, erreicht man die staufisch geprägte Wildenburg. Vermutlich wurde hier ein Teil des Parzivals von Wolfram von Eschenbach verfasst. Imposant ist die gewaltige Burganlage (erbaut um 1200), die als Vorbild des deutschen Burgenbaus gilt, allemal. Noch heute sind stilistische Elemente der Innendekoration gut zu erkennen. Im Jahr 1356 soll ein Erdbeben die Wildenburg stark beschädigt haben. Während des Bauernkrieges wurde sie 1525 von den „hellen Haufen“ des Götz von Berlichingen niedergebrannt und nicht mehr aufgebaut.

Von den Mauern hat man einen fantastischen Rundblick. Nach der Burg-Besichtigung folgen wir weiter der roten Raute, steigen vorbei an einer Felsgruppe aus Buntsandstein mit alten Mauerresten und einer geheimnisvollen, in den Stein gehauenen Kammer weiter bergan – bis nach Preunschen, wo wir das Waldmuseum im Watterbacher Haus besuchen. Der sanierte Firstständerbau gilt als das älteste erhaltene Bauernhaus im Odenwald. Es wurde 1475 erbaut und hat seither Kriege-, Pilz- und Schimmelbefall überstanden. Das so genannte Wohnstallhaus stand ursprünglich in Watterbach, einem Ortsteil von Kirchzell und wurde 1982 nach Preunschen versetzt. Darin ist das Waldmuseum mit interessanten Exponaten untergebracht. Highlight hinter Glas: die 31-bändige „Holzbibliothek“ aus dem Fürstenhaus zu Leiningen.

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Die Strecke führt nun weiter bis zur nächsten Kreuzung. An der biegen wir nach rechts ab und folgen der Dorfstraße. Dann nochmals rechts in die Bergstraße abbiegen, der folgen bis man zum mit Walnussbäumen bestanden Platz mit Kreuzigungsstein kommt. Von hier folgen wir dem Kapellenweg am Gottesacker vorbei zum Ort hinaus. Ab hier ist die Markierung K3 unsere Wegbegleiterin. Auf den folgenden zwei Kilometern schweift der Blick über die herrlichen Höhen des Buntsandstein-Odenwaldes. Nach Erreichen des Waldrandes aufpassen! Der Wanderweg K3 biegt – leicht zu übersehen – nach der ersten scharfen Linkskurve steil abwärts in einen Hohlweg nach rechts in den Wald ab. Wir überqueren zwei Querwege und nun geht es zügig nach Kirchzell. An der Metzgerei Kappes kurz vor der Brücke biegen wir (und der gut ausgeschilderte Fahrradweg) nach rechts ab, laufen etwa 500 Meter mit dem Bach zu unserer Linken durchs Dorf. Bald schon sieht man die Kirchturmspitze von Buch vor sich in der Sonne blitzen, die nun Orientierung bietet. Nach kernigen 12 Kilometern haben wir uns nun die Einkehr ins Gasthaus Zur Wildenburg verdient.

Gasthaus Zur Wildenburg, Buch 2, 63931 Kirchzell-Buch, Telefonnummer 093/73204853, geöffnet Mo 10-22, Di 15-22, Mi-So 10-22 Uhr. Im Winter Mo Ruhetag. www.zurwildenburg.de. Anfahrt Offenbach bis Kirchzell-Buch: 80 Kilometer, Wanderstrecke: 12 Kilometer, Dauer: 3 Stunden. Keine Einkehrmöglichkeiten.

Quelle: op-online.de

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