Besuch von Darmstadts Sehenswürdigkeiten

Urlaub daheim: Zurück zur Natur in der Stadt

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Jugendstil-Sonnenuhr am Hochzeitsturm.

Darmstadt - Darmstadt, die schöne südhessische Residenz, hat im Zweiten Weltkrieg gelitten, was man in der Neugestaltung der Innenstadt bis hin zum futuristischen „Darmstadtium“ sieht. Von Reinhold Gries

Ob dies das richtige Vis-á-Vis zum beeindruckenden Schloss der Landgrafen von Hessen-Darmstadt ist, bleibt umstritten. Unumstritten ist aber, dass die Stadt gegenüber der großen Renaissance-Anlage mit dem Glockenspiel schöner und grüner wird. Wenn man zwischen dem (noch geschlossenen) Kunstpalast des Landesmuseums und dem klassisch schönen Hoftheater Georg Mollers hindurchgeht, öffnet sich eine „Herrengarten“ genannte großzügige Sommerfrische so, wie man das auch von Münchens Englischem Garten kennt.

Der Schöpferin des Parks, Landgräfin Henriette Caroline, hat man auf verstecktem Grabhügel ein Denkmal gesetzt, dessen steinerne Urne Preußenkönig Friedrich der Große stiftete. Caroline ließ im Sinne des „Zurück zur Natur“ Solitäre und Baumgruppen setzen, die heute an Wucht und Schönheit kaum zu übertreffen sind. Darunter lagert man gern auf gut gepflegtem Rasen und beobachtet das Treiben der Entenfamilien am zentralen Teich. Geht man weiter, zieht rechts ein verspieltes Parktor mit Hessen-Darmstädter Wappen die Blicke auf sich. Hier beginnt der barocke Prinz-Georg-Garten.

Auch Goethe zu Besuch

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Schon vom Portal aus leuchten Beete in allen Sommerfarben. Zwei Achsen führen zu reizenden Barockschlösschen wie dem Pretlackschen Gartenhaus und dem Prinz-Georg-Palais mit seiner erstklassigen Porzellansammlung. Den intimen Lustgarten, der in Hessen innerstädtisch kaum seinesgleichen hat, ließ Prinz Georg aus 35 bürgerlichen Gartengrundstücken formen - um Festlichkeiten mitten in der Stadt zu veranstalten. Dort sah man auch Goethe, der ja ein großer Gartenliebhaber war. Das Malerische der Gartenszenerie setzt sich im Pretlackschen Gartenhaus von 1711 fort – seit der Restaurierung der Fassadenmalerei eine reine Augenweide. Aus diesem Haus kann man sich - völlig ungezwungen - Lesestoff in Kabinette oder in den Garten mit hinausnehmen. Und eigene Lieblingslektüre dazustellen. Der Buchbestand wächst ständig… Mit oder ohne Lektüre geht es zum Fontänenbassin, zu den Sonnenuhr-Stelen, zum Teehaus mit Heckentheater oder zur Voliére, in dem sich bunte Vögel hörbar wohlfühlen. Wem zwischen Blütenpflanzen eingestreute Salate und Buntgemüse Appetit machen, kann sie für ein paar Cent am Garten-Gewächshaus erwerben.

Vom Herrengarten sind es bergan zum Jugendstil-Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe gerade mal 20 Gehminuten - falls man nicht in einem Café am skulpturenbestandenen Weg hängenbleibt. Schön sitzt man unter Pergolen des Cafés auf der Mathildenhöhe, die einst ein landgräflicher Weinberg war. Der Fernblick nach Rheinhessen reicht noch weiter, wenn man den Aufzug des Hochzeitsturms hinauffährt, vorbei am verführerischen Jugendstil-Mosaik „Der Kuss“. Hier werden Besucher wirklich überall von Musen geküsst, im Platanenhain mit seinen Reliefs, im Schwanentempel oder von den goldglänzenden Zwiebeltürmen der Russischen Kirche, die Zar Nikolaus II. bis 1899 für Ehefrau Alix errichten ließ, die Darmstädter Schwester des kunstsinnigen Großherzogs Ernst Ludwig.

Man will „Weltkulturerbe“ werden

Fast alles was man auf und um die Mathildenhöhe sieht, hängt mit dem vor knapp 75 Jahren verstorbenen Kunstfürsten zusammen, der Krieg hasste, aber das Schöne liebte. Das sieht man auch am prachtvollen Ernst-Ludwig-Haus mit Omega-Portal, Künstlerateliers und einzigartiger Jugendstil-Ausstellung. Auch wenn man umherstreift zwischen Anlagen, Brunnen und Villen der ehemaligen Künstlerkolonie, spürt man: Dieses Ensemble aus Natur, Kunst und Architektur hat auf der Welt kaum seinesgleichen. Deshalb will man offiziell „Weltkulturerbe“ werden.

Zu diesem Erbe gehört auch die kaum zehn Gehminuten entfernte Rosenhöhe hinter dem imposanten „Löwentor“. Großherzog Ernst Ludwig ließ hier aus verwildertem Gelände des „Busenbergs“ ein sinnliches Gartenparadies entstehen, in dem auch noch heute 15 ehrenamtliche und vier hauptamtliche Gärtner emsig tätig sind. Zwischen Mammutbäumen, „melancholischem“ Eibengarten mit Fürstengräbern und Mausoleen, Obstwiesen und duftendem Rosarium samt „Rosendom“ gibt es viele Möglichkeiten zum Gehen und Schauen. Parkwege ziehen sich hin bis zum Ende des Parks am Spanischen Turm – vom Herrngarten rund vier Kilometer entfernt.

Quelle: op-online.de

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