Schlosspark in Bad Homburg

Urlaub daheim: Kaiserlich flanieren im Schlosspark

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Der Schlosspark in Bad Homburg ist ein Gartenparadies.

Bad Homburg - In der Barockzeit gehörte das Bad Homburger Gartenreich mit dem Wörlitzer Park und dem in Sanssouci zu den schönsten und größten Parkanlagen Deutschlands. Von Reinhold Gries

Das merkt man noch heute beim Betreten des bestens restaurierten und gepflegten Schlossparks durch das Portal an der Dorotheenstraße: Vorbei an zwei landgräflichen Gartenvasen und herrlich ornamentierten Teppichbeeten geht es in den barocken Obergarten mit lauschiger Wasserkunst und malerischen Aussichten aufs fast italienisch wirkende Landgrafenschloss. In seiner preußischen Zeit wurde es nicht von ungefähr zur ständigen Sommerresidenz von Kaiser Wilhelm II. Beherrschend bauen sich vor dem breit lagernden „Königsflügel“ zwei gewaltige Libanonzedern auf, die es so nurdort gibt. Die kunstsinnige englische Königstochter Elizabeth bekam sie 1822 von ihrem Bruder, dem Duke of Cambridge, aus Kew Garden geschenkt - zu ihrer Hochzeit mit Homburgs Landgraf Friedrich VI.

Spätbarocke Orangerie

Sehr schön sitzt man bei sommerlichem Wetter im Schlosscafé unter oder neben den Zedern mitten in duftenden Rosenterrassen. Englische und royale Rosen sind dort ebenso selbstverständlich wie dichte Lavendelbüsche, die an Leuchtkraft mit Blumenrabatten wetteifern. Man spürt nicht nur im barocken Obergarten, wie über viele Generationen die Gartenmeister der Hessen-Homburger überlegt und geplant haben. Am richtigen Ort hinter reich blühendem Stauden- und Wassergarten steht auch die spätbarocke Orangerie, in der nun draußen stehende Zitrusgewächse, Sukkulenten und Palmen im Winter untergestellt werden.

Vom Gartenparadies gleitet der Blick über den Lustgarten hin zur imposanten Erlöserkirche, die romanisch aussieht, aber aus dem Jugendstil stammt. Oder man schaut empor zum „Weißen Turm“, dem mit einer Haube versehenen Bergfried der ehemaligen Burg, die im 15. Jahrhundert schon einen eigenen Küchengarten besaß.

Wenn man Glück hat, trifft man einen der acht emsig wirkenden Schlosspark-Gärtner bzw. Azubis, um eine schöne Pflanze aus den Gewächshäusern erwerben zu können. Denn hier werden die meisten Pflanzen selbst gezogen – und „erzogen“. Es ist kein Zufall, dass um Schloss und Orangerie einiges an Sanssouci erinnert. Pflegte man doch zu Kaisers Zeiten intensiven Personal- und Produktaustausch mit Potsdamer Gartenkünstlern.

Johann Wolfgang Goethe schritt zum Téte-a-Téte mit weiblichen Wesen

Gärtnerisch hochkreativ war vor Prinzessin Elizabeth auch schon Landgräfin Louise Ulrike, die sich im 18. Jahrhundert intensiv der Kübelpflanzen- und Obstzucht widmete, um die landgräfliche Küche zu bereichern und Einkünfte zu erzielen. Zeitweise züchtete sie sogar Seidenraupen – in der Zeit teurer Seidengewänder ein glänzender Nebenerwerb.

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Falls man sich von solchem Zauber losreißen kann, gerät man im sog. „Boskett“ ums wundervolle Schloss in eine völlig andere Gartenwelt. Wo früher der landgräfliche Weinberg gedieh, führen geschwungene Wege und Serpentinen auch steil auf- und abwärts. Nicht zu Unrecht heißt ein Teil dieses englischen Landschaftsgartens seit 1772 „Phantasie“. Viel Phantasie gehört jedenfalls nicht dazu, sich vorzustellen, wie hier Johann Wolfgang Goethe zum Téte-a-Téte mit weiblichen Wesen schritt oder Gesinnungsfreunde wie Schlossbibliothekar Hölderlin oder Geheimrat Sinclair traf. Goethe zuliebe hat man das Park-Rondell „Goethes Ruh“ genannt. Lauschig geht es von dort zum großen Schlossteich mit künstlich aufgeschütteter Insel, am murmelnden Heuchelbach entlang oder zum seit 2003 rekonstruierten „Herrschaftlichen Obstgarten“. Von dort führt die noch als Achse vorhandene Tannenwaldallee bis zum very british wirkenden Gotischen Haus, das im Gegensatz zu den Prinzengärten gerettet wurde und heute Homburgs Museum ist.

Der Schlosspark steht den ganzen Tag offen. Schlossführungen gibt es Dienstag bis Sonntag von 10 - 17 Uhr. Parken am Heuchelbach oder in der Schloss-Tiefgarage; das Schloss ist von der Haltestation der S5 in etwa 20 Minuten Fußweg zu erreichen.

Falls das Wetter schlechter wird, hat man am Homburger Schloss kein Problem damit. Nicht nur das Café im Vestibül ist geschmackvoll. Führungen durch den prächtig erhaltenen „Englischen Flügel“, den „Uhrturmflügel“ mit Schlosskirche oder den Bibliotheksflügel mit Hölderlin-Gedächtnisraum zeigen eines der schönsten Schlösser, die Deutschland zu bieten hat, weitgehend belassen im alten Zustand. Weil es - trotz aktueller Risse im Königsflügel - dort so erschütterungsfrei zugeht, logiert in massiven Schlosskellern die Gravitationsmessstation des Bundesamtes für Geodäsie in Frankfurt. Unschwer zu verstehen ist auch, warum man einst den Sitz des Bundespräsidenten ins Homburger Schloss legen wollte – falls Frankfurt BRD-Hauptstadt geworden wäre. Wahrscheinlich es aber gut so, wie es jetzt ist.

Quelle: op-online.de

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