Wanderung durch die Wetterau

Urlaub daheim: Wer zum Tintenfass will, muss durch die Hölle gehen

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Die Überreste der Stauferburg Münzenberg sind noch immer beeindruckend. Foto: Schick

Münzenberg - Die mosaikartige Kulturlandschaft der Wetterau, Rosen aus Sand, eine wehrhafte Stauferburg, herrliche Aussichten bis in Taunus und Vogelsberg - auf dieser Kult(o)ur kann man die Heimat von einer ihrer schönsten Seiten entdecken: Diese Feld- und Wiesenwanderung durch die typische, von Landwirtschaft geprägte Wetterauer Landschaft, beginnt in Rockenberg am Roten Haus in der Obergasse. Von Ingrid Schick

Gegenüber steht das sehenswerte Rockenberger Rathaus. Zunächst geht es an der Straße nach Münzenberg entlang, dann folgen wir dem Wegweiser zur Justizvollzugsanstalt und biegen in die Schlossstraße ein.

Die JVA Rockenberg ist im sogenannten Marienschloss untergebracht, einem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster (Mitte des 14. Jahrhunderts gegründet). Vor den mit Stacheldraht bewährten Mauern biegen wir nach rechts ab und folgen ein Stück dem Gambacher Weg. Den säumen die Anfang des 20. Jahrhunderts gebauten schmucken Wohnhäuser der Bediensteten der JVA.

Bald erreichen wir ein Naturschutzgebiet, die sogenannte „Hölle von Rockenberg“, eine ehemalige Sandabbaufläche. Die wurde Mitte der 1990er Jahre als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Seither gedeihen auf rund 13 Hektar Magerrasen und Heideland. Beeindruckend ragt noch heute die gelbliche Sandsteinwand über einen kleinen Teich. Vor einigen Jahren wurden hier Sumpfschildkröten ausgewildert. Das Naturschutzgebiet darf zum Schutz der neuen Bewohner und der seltenen Pflanzen, die hier gedeihen, aber nicht betreten werden und kann nur vom Weg aus betrachtet werden.

Geht man auf dem asphaltierten Feldweg weiter, kommt man zum Eingang des Sandwerkes, das heute noch in Betrieb und bekannter Fundort von seltenen Sandrosen ist. Auf dem asphaltierten Weg erreicht man bald eine kleine Anhöhe und dem Weg folgend die nächste Kreuzung. Hier nimmt man den geteerten Wirtschaftsweg nach links und biegt nach ungefähr 200 Meter rechts auf einen unbefestigten Feldweg ab. Bei diesem unscheinbaren Weg fehlt die Beschilderung. Diesem folgen wir mit Blick auf das Wetterauer Tintenfass (Burg Münzenberg).

Ein gut erhaltener Galgen

Nächste markante Wegmarkierung ist ein mächtiger Sandsteinfelsbrocken, auf dem das Wanderzeichen Europäischer Fernwanderweg E 3 zu finden ist. Dieser Wanderweg führt nun über die L 3135 hinweg und sanft über einen Wiesenweg den Hügel hinauf. Auf der Höhe sind wie in einem antiken Amphitheater die Gesteine der Region arrangiert. Folgt man dem E 3 weiter, tut sich im kleinen Wäldchen linker Hand bald eine Lichtung auf. Hier steht ein gut erhaltener Galgen, eine in dieser Form einzigartige historische Gerichtsstätte in der Wetterau.

Von hier geht es immer mit grandiosem Blick auf die Burg hinein nach Münzenberg, vorbei am Hattsteiner Hof), dem ehemaligen Solms-Laubacher Burgmannenhof. Der Weg zur Burg Münzenberg, die auf einem Höhenrücken aus Basalt thront, ist ausgeschildert. Mit ihren beiden markanten Bergfrieden beherrscht sie das Land und ist das Wahrzeichen der Region. Die mächtige Stauferburg aus dem 12. Jahrhundert mit ihren zwei wuchtigen Wehrtürmen sieht von ferne aus wie ein Tintenfass, dem der Griffel fehlt. Daher auch der Spitzname „Wetterauer Tintenfass“. Die Burgruine ist gepflegt und gut erhalten, man kann die 144 Stufen zur Spitze des Burgturms erklimmen und wird für den Aufstieg mit einem atemberaubenden Blick über die nördliche Wetterau belohnt.

Unter alten Bäumen am Fuße der Burg

Nach der Besichtigung lohnt die Einkehr im schönen Gastgarten des Burghotels. Hier sitzt man unter alten Bäumen am Fuße der Burg. Im Jahre 1910 soll hier sogar der letzte Zar von Russland Kaffee und Kuchen genossen haben. Für den größeren Hunger stehen zahlreiche, regionale Gerichte wie das Burgkrüstchen, kleines Schnitzel auf Bauernbrot, auf der Speisekarte.

Danach geht es zunächst auf dem Weg zurück, den wir gekommen sind. Dann trifft man auf den Radweg R6. Auf dem geht es dann etwa vier Kilometer durch die fruchtbaren Wetterauer Fluren und Felder zurück nach Rockenberg und zur kulinarischen Destination der Wanderung, dem Biergarten des Restaurants Rotes Haus auf dem Rockenberger Burggelände. Das historische Ensemble erstrahlt nach der Renovierung in neuem Glanz. Hier zelebrieren David Tzschirner und sein Team eine ambitionierte Küche mit saisonal wechselnde Hauptgerichte und Menüs. Im idyllischen, direkt an der Burgmauer gelegenen Biergarten, gibt es aber auch Kleinigkeiten wie „Essbare Landschaften“, Salate oder Fleisch und Fisch vom Grill.

Adressen:

Burg Münzenberg, Öffnungszeiten: März, April, Oktober und November: Di-So 10-16 Uhr, Mai bis September, Di-So 10-19 Uhr, Mo geschlossen, nur im Juli und August auch Mo geöffnet! Anmeldungen zu Burgführungen bei: Uwe Müller, Telefon 06004 1390 oder Johannes Hummel, Telefon 06004 930938.

Biergarten Burghotel Münzenberg, Wohnbacher Straße 1, 35516 Münzenberg, Telefon 06004 915700

Rotes Haus – Das Restaurant“, Obergasse 3, 35519 Rockenberg, Telefon 06033 9285909.

Quelle: op-online.de

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