Ursprung und Wiederbelebung des Schamanismus

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Durch die Einnahme von Rauschmitteln wird ein Trance-Zustand hervorgerufen. Im Schamanismus sollen Trommel und Tanz dem Geist verhelfen, sich vom Körper zu lösen.

Schamanismus gilt als erste und ursprünglichste spirituelle Praxis der Menschheit. Dabei ist es bis heute noch nicht gelungen, präzise zu bestimmen, was Schamanismus eigentlich ist. Lesen Sie hier, welche Glaubensformen, Rituale und Praktiken es in den verschiedenen Kulturen gibt.

Der Schamanismus ist die älteste Form religiösen Denkens. Das Wort selbst kommt ursprünglich aus der Sprache der Ewenken, einem Volk in Sibirien. Die Bezeichnung wird meist nur für das nordöstliche Eurasien verwendet, doch ähnliche Phänomene sind auch aus Nord- und Südamerika bekannt. Die Praktiken des Schamanismus gab es schon vor mehr als 30.000 Jahren. Dies belegen Höhlenmalereien, zum Beispiel aus der französischen Chauvet-Höhle.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt der Schamanismus als aussterbendes Phänomen. In den 1960er-Jahren wurde er aber durch die Esoterik und die New-Age-Bewegung wiederbelebt. Vor allem der Ethnologie-Professor Michael Harner sowie der Ethnologe und Dichter Carlos Castaneda trugen mit ihren Büchern zur Verbreitung des Neo-Schamanismus bei.

Der Schamane – Mittelsmann zwischen den Welten

Schamanen nehmen innerhalb der jeweiligen Gesellschaften eine herausragende Position ein. Sie gelten als ambivalente Gestalten, die unentbehrlich und zugleich gefürchtet sind. Mal sind sie Ärzte, mal Priester, Mystiker, Psychologen, Dorfälteste, Orakel oder Poeten.

Auch wenn die Rituale und Praktiken in den unterschiedlichen Kulturen verschieden sind, vertreten sie alle die Ansicht, dass es neben unserer sichtbaren noch weitere Welten gibt. Die Schamanen glauben, dass die Menschen von Geistern umgeben sind, die für deren Schicksal verantwortlich sind. Sie sehen sich als die Mittler, die den Kontakt zu diesen Wesen herstellen können. Diese „andere Welt“ ist für die physischen Sinne nicht sichtbar.

Technik der Ekstase

Die Trance ist jener Bewusstseinszustand, in dem sich die Seele des Schamanen angeblich vom Körper trennt und auf Reisen durch die andere Welt geht. Mit Hilfe der Schamanentrommel, durch rhythmische Bewegungen beim Tanz, sowie durch die Einnahme von Rauschmitteln begibt sich der Schamane in einen ekstatischen Zustand. In diesem unternimmt er eine Seelenreise, um sich mit den Geistern in Verbindung zu setzen.

Die Schamanentrommel gilt als Sitz der hilfreichen Geister, die aus ihr und aus den Schamanen sprechen. Der besessene Schamane soll die kosmische Ordnung wiederherstellen. Das bedeutet: Kranke heilen, Unheil abwehren, Tote geleiten und Prognosen für Vorhaben abgeben.

Neo-Schamanismus

Heute treten auch in westlichen Gesellschaften Menschen auf, die sich auf die beschriebenen Traditionen berufen. Die moderne Form konzentriert sich aber mehr auf die Heilung und Energiearbeit.

Es sind vor allem Menschen, die ernsthaft krank sind, die darauf hoffen, bei einem Schamanen Heilung oder Linderung ihrer Beschwerden zu finden. Sie wünschen sich in einer Welt, in der die Individualität des Menschen groß geschrieben wird, eine Verbindung zu allen anderen Lebensformen. Dazu zählen im Schamanismus neben Pflanzen und Tieren auch Mineralien und Naturkräfte. Dieser gegenseitige Respekt und die Rücksichtnahme auf die Mitwelt sind dem Glauben des Schamanismus nach die Grundlage für persönliche Gesundheit und Wohlergehen.

Quelle: op-online.de

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