Spionagestation auch in Egelsbach?

USA steuern Geheimkrieg aus  der Region

Egelsbach - Rhein-Main im Mittelpunkt des US-Kampfs gegen den Terror? Bei Recherchen haben Reporter herausgefunden, dass die USA von der Region aus im großen Umfang Abhöraktionen, Entführung und Folter organisiert haben.

Die Rede ist von einer unheimlichen Schattenarmee, die von Jahr zu Jahr wächst: Seit gestern werden die Ergebnisse eines Rechercheprojekts („Der geheime Krieg“) des Norddeutschen Rundfunks und der Süddeutschen Zeitung über US-Geheimdienst- und Militäroperationen in Deutschland vorgestellt. Es geht um umfangreiche Aktivitäten und um neue Formen der Spionage. Die Kundschafter sind Mathematiker, Statistiker und Experten für Datenverarbeitung aller Art. Sie arbeiten für Konzerne, die von den Geheimdiensten Aufträge bekommen und die schmutzigen Arbeiten erledigen

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Recherchen zufolge sollen US-Agenten auf deutschen Flughäfen, auch in Frankfurt, Verdächtige festgenommen haben; Asylbewerber wurden ausgeforscht und Informationen gesammelt, die bei der Bestimmung von Drohnen-Zielen eine Rolle spielen könnten. Nach Angaben des Reporterteams erhält eine US-Geheimdienstfirma, die für die „National Security Agency“ (NSA) tätig ist und Kidnapping-Flüge für die CIA plante, bis heute Millionenaufträge von der deutschen Regierung.

Was auffällt: Das geheimdienstliche Zentrum der Amerikaner ist das Rhein-Main-Gebiet. Von hier aus operieren US-Agenten im großen Stil. Im Frankfurter Norden betreibt der CIA demnach in einem unscheinbaren Industriehof eine große Logistikzentrale. „Wer sich dort zu genau umschaut, bekommt Besuch von der Polizei“, heißt es. Die 66. Military Intelligence Brigade sei unter anderem vom NSA-Stützpunkt in Wiesbaden aus tätig. Auch der Dagger Complex in Griesheim bei Darmstadt werde vom US-Geheimdienst genutzt.

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Ins Gerede kommt zudem erneut die Funkstation der US-Army im Wald bei Egelsbach. Was genau dort passiert, gibt das Militär nicht preis. Gerüchte über Geheimdienst-Spionage sind immer wieder zu hören. Bürgermeister Jürgen Sieling, seit 2012 im Amt, würde gerne den Spekulationen mit handfesten Informationen begegnen - allein: Die gibt es nicht. „Schon vor Jahren haben meine Vorgänger ähnliche Anfragen gestellt, aber bestenfalls ausweichende Antworten erhalten.“ Angesichts des wieder aufgeflammten Interesses an den Kugeln der Abhörstation habe der Gemeindevorstand aktuell beschlossen, eine neuerliche Anfrage zu schreiben. „Die werden wir ans Europa-Hauptquartier der US-Streitkräfte in Wiesbaden schicken“, sagt Sieling, „das ist Stufe eins.“ Die zweite wären Briefe an die US-Botschaft bzw. ans US-Konsulat. „Aber das hatten wir alles schon - ohne Erfolg“, gibt er sich keiner Illusionen hin.

Die Bundesregierung widersprach Berichten über angebliche deutsche Hilfen für tödliche US-Drohneneinsätze.  Freiheitsbeschränkende Maßnahmen dürften ausschließlich nach deutschem Recht erfolgen.

(hob/psh)

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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