NODE-Festival im Mousonturm

Utopien zum Ausprobieren

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Bereit für eine Woche voll digitaler Kunst: Die Kuratoren Sebastian Oschatz (links), Alexandra Waligorski, Jeanne Vogt und Festival-Leiter David Brüll. Mit der Unterstützung von rund 40 Ehrenamtlichen stemmen sie das NODE-Festival im Mousonturm.

Frankfurt - Die Zukunft wird verwirrend sein. Der Satz aus bunten Neonröhrenbuchstaben leuchtet über dem Eingang des Mousonturms und steht unabsichtlich für das, was hinter der Backsteinwand passiert. Von Sarah Neder

Dort wird geschraubt und geschliffen – handfeste Vorbereitungen für augenscheinlich weniger Greifbares: das NODE-Festival für digitale Kunst. Ab Montag, 27. April, treffen sich mehr als 300 Künstler aus 38 Ländern in Frankfurt. Das NODE-Festival bietet bereits zum vierten Mal ein Forum für Grafiker, Software-Programmierer, Liebhaber neuer Technologien und deren Kunst. Zum ersten Mal ist der Mousonturm Gastgeber. Das NODE-Team um Leiter David Brüll und die Kuratoren Sebastian Oschatz, Jeane Vogt und Alexandra Waligorski hat 89 Programmpunkte zusammengestellt, die bis zum 3. Mai in Mousonturm und Naxoshalle rund um den ungelenken Titel „Wrapped in Code – the Future of the Informed Body“ kreisen.

Leiter Brüll, schwarzes Hemd, schwarzes Sakko, erklärt: „Wir arbeiten interdisziplinär, gucken uns die Schnittstellen von Wissenschaft, Kunst, Technik und Kultur an.“ Eine Ausstellung, Künstlergespräche, Performances und 51 Workshops widmen sich in dieser Woche einer Frage: Wie verändert Technologie unsere Körper?

Technik zur Ergänzung oder Optimierung menschlicher Organismen

Sebastian Oschatz, Kurator des Symposions des Festivals, erklärt: „Technik hat immer mehr Einfluss auf unser Leben, und es wird immer schwerer sich ihr zu entziehen.“ Die Künstler näherten sich dieser Problematik auf verschiedene Arten, erläutert eine der beiden Ausstellungs-Kuratorinnen Jeanne Vogt. Da gibt es etwa eine deutsche Künstlerin, die sich Technik zur Ergänzung oder Optimierung menschlicher Organismen ausdenkt. Zum Beispiel Atemschutz, den wir bräuchten, falls unsere Umwelt in der Zukunft noch schmutziger werde. Kritik mittels Utopie. Viel realistischer, da schon im Einsatz, ist eine App, die Kontakte sozialer Netzwerke mit Bio-Sensorik verbindet. „Das Programm liest an unseren körperlichen Signalen ab, wie wir uns im Kontakt mit anderen fühlen. Ob wir Stress haben oder uns freuen“, sagt Vogt und weiß wohl um den Beigeschmack dieser Entwicklung. Bewusste Provokation sei das. Denn die Exponate zeigen nicht nur Möglichkeiten der Technik, sondern auch deren moralische Gratwanderung zwischen Hilfestellung und Überwachung, zwischen Faszination und Angst, zwischen Zukunftstraum und den düsteren Visionen aus Aldous Huxleys „Schöner neuer Welt“.

Neben der kritischen Auseinandersetzung mit dem Digitalen geht es aber auch ums Mitmachen. Zum einen bei den Workshops, die bis auf Kurse für Kinder und Jugendliche so gut wie ausgebucht sind. Aber auch die Ausstellung bindet Besucher ein. „Der spielerische Umgang mit Technologie“, so Festivalleiter Brüll, stehe im Vordergrund. Womöglich wird die Zukunft dann etwas weniger verwirrend. Weitere Infos und Termine unter node15.vvvv.org.

Quelle: op-online.de

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