Veganes Essen

Keine Lust mehr auf Fleisch

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800.000 Deutsche sollen sich rein pflanzlich ernähren, mit stark steigender Tendenz. In Frankfurt hat sich nun sogar ein Metzgermeister von tierischen Produkten losgesagt.

Frankfurt - Michael Spahn  hat viele Schnitzel gegessen in seinem Leben. Kein Wunder: Der 52-Jährige ist seit 1986 Metzgermeister, er lebt vom Verkauf von Schinken und Wurst. Nun bietet er zusätzlich Produkte ohne tierische Bestandteile an. Von Isabell Scheuplein

Zwischen Fleischsalat und Grillsteaks liegen in seiner Theke Rouladen aus Soja, Wurst aus Tofu und Braten aus Weizeneiweiß. Doch das ist noch nicht alles: Metzger Spahn hat selbst aufgehört, Fleisch zu essen. Er ist Veganer geworden.

Damit verzichtet er auch auf Eier, Milch und alle daraus hergestellten Produkte wie Joghurt, Butter und Quark. Ausschlaggebend sei ein Arztbesuch gewesen, bei dem ein stark überhöhter Cholesterinwert diagnostiziert wurde, berichtet Spahn. Schon vor Jahren hat er seine Metzgerei in Bornheim auf „Bio“ umgestellt – der Tiere wegen, wie er sagt.

Keine unbändige Lust

Unbändige Lust auf Fleisch habe ihn seit seiner Ernährungsumstellung im September noch nicht überfallen, sagt Spahn. Selbst an Weihnachten sei er mit Soja-Rouladen vollauf zufrieden gewesen. „An meiner Theke gehen die hausgemachten fleischfreien Produkte weg wie warme Semmeln“, sagt der Metzger. Es gebe zwar Veganer, die seinen Laden nicht betreten wollten und von der Tür aus ihre Bestellung hinein riefen – doch das Geschäft brumme. Spahn liegt mit seinem erweiterten Angebot im Trend. Allein in Frankfurt haben in den vergangenen Jahren vier rein vegane Restaurants und Imbissläden, ein Café mit tierfreiem Kuchen und ein Supermarkt für Veganer aufgemacht. Noch rasanter wächst das Segment in Berlin, dort gibt es inzwischen eine Auswahl von mehr als 20 Läden mit rein pflanzlichem Essen und mehrere spezielle Supermärkte.

Ein ähnliches Bild bietet sich laut Sebastian Zösch vom Vegetarierbund (Vebu) in vielen Städten bundesweit. Auch die herkömmlichen Supermärkte weiteten ihr Angebot an Tofu-Bratwürsten und veganen Fertig-Burgern kontinuierlich aus, die Zahl der neu veröffentlichten Kochbücher für tierfreies Essen schnellte laut Zösch vergangenes Jahr auf mehr als 50. Mit seinem Buch „Vegan for fit“ gelang dem veganen Vorzeigesportler Attila Hildmann 2013 ein bestens verkaufter Ratgeber.

Begonnen habe der Trend mit dem Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer, das 2010 auf Deutsch erschien und die Methoden der Massentierhaltung anprangerte, sagt Zösch. Das Thema sei erstmals breit diskutiert worden. Inzwischen hätten auch viele kritische Ernährungswissenschaftler ihren Widerstand gegen die rein pflanzliche Ernährungsweise aufgegeben.

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Mit der Verfügbarkeit veganer Lebensmittel steige nun die Zahl der Menschen, die darauf zurückgreifen, sagt Zösch, der sich ebenfalls vegan ernährt: „Früher musste man stark überzeugt sein, heute ist das anders.“ 800.000 Veganer und rund sieben Millionen Vegetarier gibt es nach seiner Schätzung derzeit in Deutschland, mit stark steigender Tendenz.

Die boomende Szene trifft sich an diesem Wochenende auf der Messe „VeggieWorld“ in Wiesbaden zu Vorträgen und Kochshows. Der Vegetarierbund rechnet als Veranstalter wie schon in den vergangenen Jahren mit einem Ansturm vor allem auf die veganen Produkte, darunter auch Schuhe und andere Kleidungsstücke.

Auch Metzger Spahn setzt auf sein tierfreies Angebot als Umsatztreiber. Sein herkömmliches Angebot will er aufrechterhalten und plant für seine vegane Kundschaft die Eröffnung eines eigenen Imbisses. Einen Versandhandel betreibt er bereits.

dpa

Quelle: op-online.de

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