„Veni, vidi, oder was?“ - Latein im modernen Alltag

Bad Homburg - „Irren ist menschlich“, „Alle Wege führen nach Rom“, „Geld stinkt nicht“? Das Römische Reich existiert zwar schon lange nicht mehr, doch Sprüche aus dieser Zeit vor 2000 Jahren sind auch heute noch im Alltag präsent. Von Sabine Maurer (dpa)

 „Der am meisten abgedroschene Satz ist ‘Carpe diem‘“, erzählte der Althistoriker Mario Becker jetzt im ehemaligen Römerkastell Saalburg bei Bad Homburg bei der Veranstaltung „Veni, vidi,? oder was? - Lateinische Sprüche im Alltag und ihre Hintergründe“.

Das „Carpe diem“ („Nutze den Tag“) wird seit dem vor 20 Jahren erschienenen Kinofilm „Der Club der toten Dichter“ gerne zitiert und häufig als Tattoo verwendet. Es stammt aus einer Ode des römischen Dichters Horaz. Vollständig: „Nutze den Tag und traue nicht dem nächsten“.

Der frühere amerikanischen Präsident John F. Kennedy hat laut Becker bei seiner legendären Rede 1963 in Berlin ebenfalls auf die alten Römer zurückgegriffen. „Vor 2000 Jahren war der stolzeste Satz Ich bin ein Bürger Roms'. Heute, in der Welt der Freiheit, ist der stolzeste Satz ‘Ich bin ein Berliner‘“, sagte der US-Präsident.

„Oft wurden lateinische Sprüche aus dem Zusammenhang gerissen und zum Beispiel von den Nazis für ihre Zwecke missbraucht“, erklärte der Althistoriker Becker. So stand an dem Tor des KZs Buchenwald „Jedem das Seine“. Das Zitat stammt von dem römischen Philosophen Cicero, er meinte es als Aufruf zur Gerechtigkeit. Adolf Hitler hat sich unter anderem für „Mein Kampf“ von dem Kaiser Augustus inspirieren lassen, zum Beispiel von dessen Berichten über Staatsputsche und über die Bekämpfung von Feinden. „Beide haben bei ihren militärischen Erfolgen gelogen“, erzählte Becker.

Auf den Kaiser Vespasian geht „Pecunia non olet“ („Geld stinkt nicht“) zurück. Er hatte Steuern auf öffentliche Toiletten erhoben. Sein Sohn Titus war damit nicht einverstanden. Daraufhin hielt ihm der Kaiser das Geld unter die Nase und sagte die vielzitierten Worte. Auch Cäsars Satz „Ich kam - ich sah - ich siegte“ (veni, vidi, vici) ist heute noch präsent - etwa auf Marlboro-Schachteln. Der Satz „In Vino veritas“ („Im Wein liegt die Wahrheit“) geht auf den römischen Gelehrten Plinius der Ältere zurück. Er beschrieb die Germanen bei Vertragsverhandlungen. „Sie haben sich dabei betrunken und konnten sich deshalb bei den Verhandlungen nicht verstellen“, erklärte Becker.

Quelle: op-online.de

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