Verdeckte Armut in der Region

Offenbach - (psh) Der „Erste Armutsatlas für Regionen in Deutschland“ des Paritätischen Wohlfahrtsverbands ermittelt für Hessen eine durchschnittliche Armutsquote von 12 Prozent gegenüber 14,3 Prozent im Bundesdurchschnitt. Auf den ersten Blick mag dies positiv erscheinen. Nach Ansicht von Experten sollte man sich durch die Zahlen nicht täuschen lassen.

Auch in Rhein-Main leben mehr Menschen in Armut als angenommen - auch weil sie keine öffentlichen Gelder annehmen wollen.

„Wir beobachten in vielen Fällen verdeckte Armut“, sagt Ursula Abeln, Vorsitzende beim Deutschen Kinderschutzbund Westkreis Offenbach, und erinnert an den wirtschaftlichen Druck, der auch auf Kinderschultern in der Region lastet. Diese Form der Armut sei oft auf den ersten Blick nicht erkennbar. So berichtet sie von Kindern, die hungrig zur Schule kommen und aus Scham die finanzielle Unterstützung für Mittagessen nicht in Anspruch nehmen.

Armut habe sehr viele Facetten. Abeln: „Wenn Mädchen und Jungen aus finanziellen Gründen nicht in die Musikschule kommen, wenn sie von Freizeitbereichen ausgeschlossen werden, wenn medizinische Leistungen nicht in Anspruch genommen werden können, dann ist auch dies ein deutliches Zeichen für Not.“ Die Kinderschützer im Westkreis verweisen auf Zahlen aus dem Jahr 2007: „Im Kreis Offenbach leben 8 689 Kinder vom Arbeitslosengeld II. Die Folgen für sie wirken sich auf alle Bereiche ihres Lebens aus.“

Abeln stellt auch fest, dass die Aufmerksamkeit für „verdeckte Armut“ größer geworden ist: „Es gibt inzwischen einige gute Ansätze und Überlegungen, die zum Beispiel einen kostenlosen Mittagstisch betreffen.“ Es sei neben der materiellen Armutsbekämpfung aber genau so wichtig, dass „Kinder in ihren Bedürfnissen ernst genommen werden“. Die Erwachsenen müssten dafür Sorge tragen, dass Kinder Anregungen und Zuwendung erhalten.

Quelle: op-online.de

Kommentare