Verein „Hilfe für krebskranke Kinder“ kümmert sich um Geschwister von Erkrankten

Krebs trifft die ganze Familie

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Sara lässt sich im Verein „Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt“ in Frankfurt stylen und die Haare schneiden. Sara erkrankte im Alter von 13 Jahren an Krebs.

Frankfurt - Wenn Kinder oder Jugendliche an Krebs erkranken, können auch deren Brüder oder Schwestern immense Probleme bekommen. Die Angst vor dem Tod macht ihnen zu schaffen. Und manchmal kommt auch Eifersucht auf. Von Sabine Maurer

Sara sitzt geduldig auf dem Stuhl, während die Visagistin ihr etwas Lidschatten aufträgt und Farbe auf die Lippen tupft. Gleich geht es für die hübsche, schmale Frau zum Fotoshooting. „Das habe ich schon öfters gemacht“, erzählt die 25-Jährige mit den leuchtend roten Haaren. Früher war sie oft hier gewesen, in den Räumen des Vereins Hilfe für krebskranke Kinder in Frankfurt. Im Alter von 13 Jahren ist sie erkrankt, die Jugendgruppe des Vereins hat ihr in den Jahren der Behandlung viel Halt gegeben. Die Fotoaufnahmen inklusive des professionellen Stylings wird einmal jährlich von dieser Gruppe angeboten. Mitglieder sind hier nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch deren Geschwister. „Diese bekommen durch die Erkrankung der Schwester oder des Bruders selbst immense Probleme“, berichtet die Betreuerin Christina Hauser. Nach Auskunft der Krebshilfe erkranken jedes Jahr in Deutschland etwa 1 800 Kinder neu an Krebs.

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Die Krankheit macht auch den Geschwistern Angst, plötzlich ist das Thema Tod sehr präsent. Für die Eltern steht das erkrankte Kind im Mittelpunkt. Es sei für sie in einer solchen Situation nahezu unmöglich, die Geschwister nicht zu vernachlässigen, ist die Erfahrung von Hauser. Das kann bei den Kindern und Jugendlichen zu Eifersucht und Neid führen - und das wiederum zu Schuldgefühlen. „Manche wünschen sich, selbst krank zu sein“, sagt sie. Doch die Geschwister können auch eine große Stütze sein, so hat es Sara erlebt. Ihr drei Jahre jüngerer Bruder sei mit ihr völlig normal umgegangen, das habe ihr sehr gut getan, erinnert sie sich. „Seitdem ist er meine Vertrauensperson, wir sind ein Team.“

Auch die 20-jährige Jennifer, die bereits als Kleinkind erkrankte, berichtet von einem engen Verhältnis zu ihren beiden Geschwistern. Doch das war nicht immer so. Ihr Bruder und ihre Schwester waren selbst noch kleine Kinder, als Jennifer krank wurde. „Die Eltern waren nur noch bei mir, das war für meine Geschwister schwer zu verstehen. Die Krankheit hat uns alle geprägt.“ Hinzu kam, dass die Geschwister noch zu klein waren, um sie im Krankenhaus besuchen zu dürfen. Jennifer erinnert sich daran, dass ihre drei Jahre ältere Schwester ihr eine Puppe schenken wollte, als sie mal wieder in der Klinik lag. Doch das war verboten - wegen der Keime. „Aber die Puppe habe ich dann später bekommen. Ich habe sie heute noch.“

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Joey (Name auf Wunsch des Betroffenen geändert) kann sich dagegen nicht an Gefühle wie Neid oder Eifersucht erinnern. Sein Bruder erkrankte vor elf Jahren, heute ist er wieder gesund. Er war damals 13 Jahre alt, oft besuchte er seinen Bruder gemeinsam mit der Mutter im Krankenhaus. „Klar hat sich alles um ihn gedreht, aber das war okay.“

„Es hängt natürlich viel davon ab, wie alt die Betroffenen und ihre Geschwister bei der Diagnose waren“, erklärt Betreuerin Hauser. Kleine Kinder sind zwar ihren Gefühlen ausgeliefert, lassen sich aber auch leichter trösten. Ältere Kinder und Jugendliche sind bereits reflektierter, aber für die Eltern weniger zugänglich. Dies ändert sich auch nicht, wenn es wirklich zum Schlimmsten kommt und das Kind stirbt. „Es ist auch ein Trugschluss zu glauben, dass die Eltern dann mehr Zeit für ihre anderen Kinder hätten“, so Hauser. „Dafür sind sie zu sehr mit ihrer eigenen Trauer beschäftigt.“ 

dpa

Quelle: op-online.de

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