Vereinbarung „Wald und Sport“ II

Kontra: Pfeifen im Walde

Der Sozialwissenschaftler Burkard Scherer hat ein wundervolles Buch geschrieben. „Auf den Inseln des Eigensinns heißt es“ und präsentiert, wie der Untertitel verspricht, „Eine kleine Ethnologie der Hobbywelt“. Von Ralf Enders

49 Typen charakterisiert Scherer anhand ihrer Fachzeitschriften - Trucker, Nudisten, Geflügelzüchter, Triathleten. Am Ende dieser Hobby-Horror-Picture-Show ist der subkulturelle Laie gleichermaßen entsetzt wie amüsiert über das Innenleben der Interessensgruppen.

Das Buch ist fast 20 Jahre alt und spricht von „Inseln“. Jedem Narr sei Kapp halt. Heutzutage sitzen die Vertreter von 27 Verbänden und Institutionen unter ministerieller Anleitung nett drapiert im Hanauer Forst am „Runden Tisch Wald und Sport“, um einen „Kodex“ mit 15 Verhaltensregeln zu fixieren. Die Special-Interest-Guerilla hat so lange genervt, bis die „Vereinbarung des konstruktiven Miteinanders“ (Umweltministerin Puttrich) auf den Waldweggebracht war.

Im Prinzip geht es darum, wie sich etwa ein Radler und ein Fußgänger verhalten sollen, wenn sie sich im Wald begegnen. (Vielleicht aufeinander aufpassen?) Oder was die Wald-User mit ihrem Müll tun sollen. (Richtig: wieder mitnehmen.)

Man glaubt es nicht!

Gott sei Dank sind weitere Treffen zwecks Erfahrungsaustausch und Fortschreibung der Vereinbarung geplant. Dann lässt sich nämlich sicher noch die Kodex-Lücke schließen, wo und wie oft Hund (und Herrchen) im Wald austreten dürfen.

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Offen ist auch noch die Frage, wie mit jenen „Freizeit-Terroristen“ zu verfahren ist, die in der Tiefe des Waldes den jetzt vereinbarten Verhaltensregeln trotz eingehender Ermahnung durch ihre Dachorganisationen so viel Beachtung schenken wie andere etwa dem Handyverbot am Steuer oder der Dynamopflicht an Fahrrädern. Egal, Hauptsache die Polit- und Phrasenmaschine läuft. Es war für die Beteiligten „ein guter Tag für den Sport insgesamt“, eine Voraussetzung, „den Wald konfliktfrei zu betreten“, und man hat „miteinander statt übereinander geredet“.

Wir anderen dürfen einfach in den Wald gehen. Zumindest ist bislang nichts Gegenteiliges bekannt.

Quelle: op-online.de

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