„Mitarbeiter war nur in Jugend ein Rechter"

Frankfurt - Der hessische Verfassungsschutz wehrt sich gegen wachsende Kritik. Wie es aus Sicherheitskreisen heißt, soll der wegen der sogenannten „Döner-Morde" ins Visier geratene Mitarbeiter nur in seiner Jugend Kontakt mit rechtsextremem Gedankengut gehabt haben.

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Die jetzt auftauchenden Informationen, er sei in seiner Agentenzeit rechtsgesinnt gewesen, verzerrten das Bild. Die Details zu seiner Jugend seien bei den polizeilichen Ermittlungen gegen den Mann von April 2006 bis Januar 2007 festgestellt worden. Neue Erkenntnisse seit 2007 gebe es nicht, hieß es heute.

Ob diese Vergangenheit schon bei der Einstellung des Mannes beim Verfassungsschutz eine Rolle spielte, ist derzeit ungeklärt. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) betonte bei einer Debatte im Wiesbadener Landtag jedoch, der Mann sei 1993 oder 1994 beim Landesamt „nach einer intensiven Sicherheitsüberprüfung“ angestellt worden.

Verfassungsschützer meldete sich nicht als Zeuge

Der Mann hatte am 6. April 2006 in einem Internetlokal gesurft, als der türkischstämmige Betreiber mutmaßlich von Rechtsterroristen erschossen wurde. Weil der Verfassungsschützer sich nicht als Zeuge meldete, geriet er selbst in Verdacht und wurde zeitweise festgenommen. Er sei der einzige Verdächtiger in der bundesweit beispiellosen Mordserie gewesen, deshalb hätten Ermittler sein Vorleben sehr genau durchleuchtet, sagte ein Experte der dpa.

Bei einer Hausdurchsuchung seien auf dem Speicher eine Ausgabe von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ sowie eigenhändige Kopien rechtsextremistischer Schriften gefunden worden. Diese Schriften habe er Anfang der 80er Jahre als Teenager kopiert, gab der Verfassungsschützer damals an. Auch der Spitzname „kleiner Adolf“, der derzeit kursiert, sei den Ermittlern als Information über die Jugendzeit des Mannes zugetragen worden. Die Staatsanwaltschaft Kassel entlastete den Verfassungsschützer im Januar 2007 von allen Vorwürfen. Er wurde jedoch beim Landesamt entlassen und als Beamter in das Regierungspräsidium Kassel umgesetzt.

dpa/lhe

Quelle: op-online.de

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