Verführung zum Film

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Macht der Bilder: Das Revolutionsdrama „Panzerkreuzer Potemkin“ schlägt das junge Publikum in seinen Bann

Frankfurt - Elf Tage lang dreht sich an Hessens Schulen alles um den Film. Die neunten Schulkinowochen sollen die Medienkompetenz der Schüler fördern. 76 Kinos in Hessen nehmen Teil. Der Startschuss erfolgte gestern in Frankfurt. Von Felix Simon 

Gebannt sitzen vierzig Oberstufenschüler der Frankfurter Wöhler-Schule und des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums im Halbdunkel des Kinosaals. Das gleißende Licht des Projektors wirft leicht flackernd einen der berühmtesten Stummfilmklassiker auf die Leinwand, aus den Lautsprechern schallt musikalische Begleitung. Gezeigt wird Sergej Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“, ein Meilenstein der Filmgeschichte. Im Kinosaal ist es mucksmäuschenstill. Der Film hat die Schüler vollkommen in seinen Bann gezogen. Die Magie des Kinos nimmt ihren Lauf.

Fast zwei Wochen lang werden von nun an 76 Kinos in ganz Hessen, davon allein 17 im Rhein-Main-Gebiet, neunzig speziell ausgewählte Filme in eigenen Vorführungen für Schulklassen aller Altersstufen anbieten. Beteiligt sind unter anderem das Cinemaxx Offenbach, das Kino im Deutschen Ledermuseum, der Turmpalast in Seligenstadt, das Lichtburg Cinema in Langen sowie das Kinopolis Hanau. Über 60.000 Schüler haben sich bisher angemeldet. Unter dem Stichwort „Filmbildung“ sollen sie für den Umgang mit dem Medium fit gemacht werden. Die Veranstalter, das Netzwerk für Film- und Medienkompetenz „Vision Kino“, das Deutsche Filminstitut und das Land Hessen, wollen aber auch die Wahrnehmung von Filmen als Kulturgut verbessern.

Im Publikum sitzen auch Joshua und Elias. Für die beiden Schüler der Wöhlerschule in Frankfurt ist es nicht der erste Stummfilm, auch Fritz Langs „Metropolis“ stand schon einmal auf dem Lehrplan. Beide freuen sich über die Teilnahme am Projekt. Nun sitzen sie in den roten Sesseln des Vorführraums und lassen Eisensteins Revolutions-Streifen auf sich wirken. „Klar ist das ungewohnt,“ gesteht Elias, wenn man ihn auf den fehlenden Ton anspricht, „aber es ist auch ein ganz anderes Erlebnis. Viel imposanter.“

In diesem Jahr stehen die Schulkinowochen vor allem im Zeichen von Schnitt und Montage. Die Schüler sollen dafür sensibilisiert werden, wie Film wirken kann und vor allem auch, wie er verführt. „Kenntnisse über das Medium und seine Geschichte sollen genauso vermittelt werden, wie Wissen über seine Wirkung und Manipulationsfähigkeiten“, fasst Claudia Dillmann, Leiterin des Deutschen Filminstituts, das Ziel der Schulkinowochen zusammen, eine Sicht die auch Staatssekretär Ingmar Jung teilt. „Es kann nicht schaden, zu wissen, wie Film wirkt, schließlich sind wir dauernd von Filmen umgeben“, sagt der Vertreter des fördernden Landes Hessen mit Blick auf die Neuen Medien. Die Rückmeldungen geben ihnen recht. Auch Hendrik Raab, Geschichtslehrer am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium bestätigt diesen Eindruck. „Die Schulkinowochen wurden von meinen Schülern bis jetzt sehr positiv aufgenommen. Ich bin auch ein drittes Mal gern wieder dabei.“

Im Kinosaal läuft mittlerweile die Treppenszene. Soldaten meucheln Demonstranten. Der Panzerkreuzer zerstört als Vergeltung das Theater Odessas. Der Rauch wabert. Plötzlich ist alles still. Einem Schüler entfährt ein lautes „Krass“. Der Film von 1925 zeigt auch heute noch Wirkung.

Quelle: op-online.de

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