Barbara Cárdenas aus Dietzenbach tritt für die Linke im Wahlkreis 45 an

Die Verhältnisse umwerfen

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Barbara Cárdenas

Dietzenbach - Sie war 15 Jahre alt, als ihr damaliger älterer Freund den Kriegsdienst verweigern wollte. „Seitdem denke und fühle ich links und als Pazifistin“, sagt die heute 59 Jahre alte Dietzenbacher Landtagskandidatin der Linken, Barbara Cárdenas. Von Nina Beck

Bereits mit 15 wurde sie dann auch Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft. Später, als Studentin in den 1970er-Jahren, war Cárdenas in der Fachschaft für den marxistischen Studentenbund Spartakus aktiv und kämpfte unter anderem gegen Berufsverbote, wie sie sich erinnert.

Ob sie das Marx’sche „Kapital“ gelesen hat? „Ich habe zumindest heiß über seine Analyse und Forderungen diskutiert“, sagt die Diplom-Psychologin und -Pädagogin, die verheiratet ist und Mutter zweier erwachsener Kinder. Vieles, was Marx geschrieben habe, sei bis heute aktuell. Sie erinnere sich beispielsweise an ein Zitat, in dem es sinngemäß heißt, man müsse alle Verhältnisse umwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, geknechtetes Wesen sei. Dabei denke sie an Hartz IV und die Situation der Flüchtlinge in diesem Land, so Cárdenas, die in der jüngsten Legislaturperiode unter anderem migrations- und integrationspolitische Sprecherin ihrer Landtagsfraktion sowie Vorsitzende des Petitionsausschusses war. In Dietzenbach bietet sie außerdem Sprechstunden für Hartz-IV-Empfänger an, wo sie zum Teil „furchtbare Schicksale“ erlebt. Von Leiharbeitern und Aufstockern und „schreiender Ungerechtigkeit: Gegen diese Spaltung der Gesellschaft“, sagt Cárdenas, „müssen wir etwas tun.“

Mehr gebundene Ganztagsschulen

Ein weiteres Thema, das der 59-Jährigen sehr am Herzen liegt, ist die Bildung. Sie wolle sich für mehr gebundene Ganztagsschulen einsetzen und „eine Schule für alle“ anstatt der Mehrgliedrigkeit, sagt Cárdenas, die unter anderem auch sieben Jahre an einer Schule für Körperbehinderte im westfälischen Münster gearbeitet hat. Sollte der Wiedereinzug in den Landtag gelingen, will Cárdenas weiter für eine echte Inklusion für Kinder mit Behinderungen und die Einführung einer umfassenden Lernmittelfreiheit kämpfen. Sie vertritt auch die Auffassung, dass beim Abitur das Rad wieder zu G 9 zurückgedreht werden sollte, um den Schülern mehr Zeit für das Lernen zu ermöglichen.

Der Partei „Die Linke“ beigetreten ist die gebürtige Nordrhein-Westfälin, die seit 20 Jahren in Dietzenbach lebt, 2007, nachdem WASG und PDS fusioniert hatten. Im selben Jahr rückte sie zunächst für die Dietzenbacher Liste ins Parlament der Kreisstadt nach, seit 2011 vertritt sie dort als stellvertretende Fraktionsvorsitzende die Linken, für die sie sich im Landtag seit 2008 engagiert. Damals war sie über die Landesliste erstmals ins Landesparlament gewählt worden.

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Quelle: op-online.de

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