Verkehrsnetz im Rhein-Main-Gebiet

Milliarden-Projekte für Pendler in Planung

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Frankfurt - Die Rhein-Main-Region boomt und wächst. Damit der Verkehr nicht zusammenbricht, sollen neue Bahnlinien gebaut werden. Milliardenprojekte für Millionen Pendler - noch stehen sie nur auf dem Papier. Am schwierigsten ist die sogenannte Westtangente.

Das Verkehrsnetz im Rhein-Main-Gebiet wird den Zuwachs an Menschen nach Überzeugung von Fachleuten bald nicht mehr aufnehmen können. Die Städte wachsen, allen voran Frankfurt. Das Netz müsse mitwachsen, meint Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne). Allein Frankfurt habe in den vergangenen neun Jahren 50.000 neue Einwohner bekommen - "und die sind alle mobil".

Gleich mehrere neue S-Bahnlinien sind in der Planung, manche schon seit Jahrzehnten: Zusätzliche Gleise sollen die S-Bahnverbindung nach Bad Vilbel im Nordosten unabhängig vom Güter- und Fernverkehr machen, die Nordmainische S-Bahn soll Hanau und Frankfurt besser verbinden, das neue Büroviertel Gateway Gardens am Frankfurter Flughafen soll einen S-Bahn-Anschluss bekommen. Zusammen mit einer Nord- Süd-Verbindung um Frankfurt herum, der sogenannten Westtangente, werden die Vorhaben nach bisher bekannten Schätzungen weit über eine Milliarde Euro kosten.

2,5 Millionen Menschen täglich mit dem RMV unterwegs

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hält sämtliche Vorhaben für unverzichtbar. "Alle sind enorm wichtig", sagt RMV-Sprecherin Petra Eckweiler. 2,5 Millionen Menschen sind täglich mit dem RMV unterwegs - allein 300.000 pendeln zur Arbeit nach Frankfurt, das tagsüber damit zur Millionenstadt wird. "Ohne Ausbau der Infrastruktur stoßen wir an Grenzen", sagt Eckweiler. Unterstützung kommt von der schwarz-grünen Landesregierung: "Priorität hat für uns der Nahverkehr im Rhein-Main-Gebiet", sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) zu Beginn seiner Amtszeit.

Während der Ausbau der Strecke nach Bad Vilbel die Genehmigungs- und etliche Gerichtsverfahren durchlaufen hat und auch die Anbindung von Gateway Gardens in trockenen Tüchern ist, müssen die beiden anderen, größeren Projekte noch zahlreiche Hürden nehmen. Dass von der ersten Idee bis zur ersten Fahrt oft Jahrzehnte vergehen, sei auch dem komplizierten deutschen Planungsrecht zu verdanken, sagt Prof. Klaus Habermehl, Verkehrsexperte an der Hochschule Darmstadt. Das Recht müsse reformiert werden, ohne die Bürgerbeteiligung aufzugeben.

Regionaltangente West

Das schwierigste Projekt im Ballungsraum scheint die Regionaltangente West (RTW). Sie soll einmal westlich an Frankfurt vorbei die Pendlerströme zwischen Bad Homburg und Neu-Isenburg aufnehmen - etwa zum Flughafen oder in den Industriepark Höchst. Bisher müssen Fahrgäste aus allen Richtungen in die City und dort umsteigen. Der Knotenpunkt Hauptbahnhof ist aber an seiner Kapazitätsgrenze angelangt: "Wir sind dort am Limit", sagt Verkehrsdezernent Majer. Eine Internetadresse hat die Regionaltangente West schon. Wer aber dort Informationen über eines der wichtigsten Nahverkehrsprojekte im Ballungsraum erwartet, wird enttäuscht. Die "RTW Planungsgesellschaft mbH" teilt lediglich mit: "An dieser Stelle finden Sie bald Informationen über die für die Region Frankfurt RheinMain geplante Regionaltangente West".

Seit rund 20 Jahren wird an der Bahnverbindung zwischen dem Norden des Ballungsraums über den Flughafen nach Süden geplant. Aber außer dem Beschluss der Planungsgesellschaft aus dem Jahr 2012, die Planungen noch drei Jahre lang fortzusetzen, ist noch nichts Konkretes geschehen. Immerhin sind allein für die Planungen fast 21 Millionen Euro bereitgestellt worden. Derzeit werde an der Umweltverträglichkeitsuntersuchung gearbeitet, sagt Majer, der Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft ist.

Neue S-Bahn in Frankfurt vorgestellt

Neue S-Bahn in Frankfurt vorgestellt

Bei dem Projekt müssen viele ins Boot geholt werden, und das scheint es besonders schwierig zu machen. Ein Planfeststellungsverfahren ist in weiter Ferne. Die 44 Kilometer lange Strecke berührt mehrere Gemeinden und Kreise, denen eine neue Bahnverbindung zwar Vorteile bringt, die sie aber auch etwas kosten wird. Neuen Mut mache nun die Zusage des Landes vom Frühjahr, sich an der Planungsgesellschaft zu beteiligen, sagt Majer. Wer welchen Teil der auf 500 Millionen Euro geschätzten Kosten tragen wird, ist aber noch lange nicht geklärt.

Nordmainische S-Bahn von Frankfurt nach Hanau

Die Nordmainische S-Bahn von Frankfurt nach Hanau steht am Beginn des Marathons durch die Genehmigungsverfahren. Die Stadt Hanau sehnt die Verbindung herbei. Sie sei von epochaler Bedeutung, sagt Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Dass es Widerstand gibt, glaubt die Deutsche Bahn nicht. "Ich sehe keine massiven Streitpunkte, die das Projekt gefährden könnten", sagt der DB-Konzernbevollmächtigte für Hessen, Klaus Vornhusen. Unklar ist aber noch die Finanzierung: Alle warten auf eine Finanzierungszusage des Bundes für die rund 20 Kilometer lange Strecke von Hanau Hauptbahnhof zur Konstabler Wache in der Frankfurter Innenstadt.

Informationen zu den Baukosten gibt es von der Bahn nicht. Vor dem Planfeststellungsverfahren sei dies nicht möglich, sagt Vornhusen. Zuletzt war die Rede von mehr als 400 Millionen Euro. Der Bund soll laut Bahn bis zu 60 Prozent stemmen, das Land Hessen 27,5 Prozent. Die Kommunen Hanau, Frankfurt, Maintal und der Main-Kinzig-Kreis würden sich die restlichen 12,5 Prozent teilen.

dpa

Quelle: op-online.de

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