Interview: „Verlässliche Betreuung“

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Birgit Simon

Offenbach (psh) - Birgit Simon, Offenbachs Bürgermeisterin, lässt nicht locker: Es gehe nicht an, dass die Kosten für die Kinderbetreuung, - ob U3, Kindergarten oder Hort - weiterhin zu 70 Prozent von den Kommunen erbracht werden müssten, sagte sie im Interview mit unserer Zeitungsgruppe.

Warum fürchten Sie Klagen?

Es besteht ab 1.8.2013 ein ,subjektiver Rechtsanspruch’ für Eltern auf einen U-3-Betreuungsplatz. Falls also mehr als 1300 Eltern in Offenbach einen Platz für ihr Kind wollen, könnten sie die Stadt verklagen. Der Rechtsanspruch ist richtig und wir haben mit großer Kraft trotz der schwierigen Haushaltslage mit der 35-Prozent-Quote ein erstes Ziel erreicht. Das muss so weitergehen; nur - ob wirklich der Bedarf erfüllt wird, können wir jetzt noch nicht feststellen.

Sie schlagen vor, die U-3-Quote in 10-Prozent-Schritten ab 2013 zu erhöhen.

Das hätte den Vorteil, dass der Ausbau zügig und passgenau erfolgen kann. Wir wissen ja gar nicht, wie viele Eltern einen Platz beanspruchen werden. Wir wollen ja auch keine Überkapazitäten für U-3-Plätze schaffen; schließlich haben wir bei der Hortbetreuung auch noch enormen Bedarf.

In Hessen fehlen 3500 Erzieherinnen/Erzieher“ ...

Ja - der Fachkräftemangel ist durchaus zu spüren. Die Besetzung von Stellen wird immer schwieriger, je mehr Plätze geschaffen werden; bei den Freien Trägern genauso wie bei der Stadt. Bislang konnten die Stellen besetzt werden – wenn auch manchmal mit Verzögerung. Es hätte aber absolut keinen Sinn, die räumlichen Kapazitäten vorzuhalten und dann ohne Personal dazustehen.

Warum weisen Sie gerade jetzt auf die Bedeutung der Ganztagsbetreuung in Grundschulen hin?

Wir alle wissen, dass der Ausbau der Hortbetreuung und der Ganztagsklassen an Grundschulen gerade für die Vereinbarung von Beruf und Familie mindestens genauso entscheidend ist wie die U-3-Betreuung. Hier besteht aber kein Rechtsanspruch. Also müssen wir beim Ausbau der Betreuung der Kinder unter drei Jahren eine Priorität setzen, weil hier eine Klagemöglichkeit besteht. Gerade wenn Eltern sich auf einen Rechtsanspruch für ihr Kind unter drei Jahren verlassen, können sie nur schwer begreifen, dass ihr Grundschulkind keinen sicheren Betreuungsplatz bekommt. Eltern brauchen eine verlässliche Betreuungsstruktur fürs Kind. Diese wollen wir auch dringend schaffen. Bis jetzt unterstützt das Land unzureichend: Es fehlen Fachkräfte, die das Land zu qualifizieren hat.

Quelle: op-online.de

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