Verlage wünschen attraktives Umfeld

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Frankfurt ringt um seinen Ruf als Stadt des Buches.

Frankfurt - „Frankfurt ist und bleibt eine Stadt der Literatur und des Buches.“ Die Überschrift, die Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) Ende Januar über eine Presseinformation hatte setzen lassen, klingt fast beschwörend. Von Stefan Michalzik

Frankfurt ist zwar die Stadt der größten Buchmesse der Welt und Sitz des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der gerade in der Braubachstraße ein neues Domizil herrichten lässt. Doch wird, nachdem der historisch eng mit der in Frankfurt verwurzelten Kritischen Theorie verbundenen Suhrkamp-Verlag 2009 nach Berlin gezogen ist und ihm nun auch der Eichborn-Verlag folgen wird, Fischer bald das einzige noch verbliebene große literarische Verlagshaus in der Stadt sein.

Der Exodus scheint noch nicht beendet: Zuletzt hat der gleichfalls eng mit Frankfurts Zeitgeschichte verbandelte Zweitausendeins-Verlag und -Versand seinen Weggang nach Leipzig angekündigt. Dieser Wegzug liegt aber eher in den Strukturen des Kinowelt-Vertriebs begründet, der den wirtschaftlich angeschlagenen Kulturlieferanten der 68-er Generation im Jahr 2006 übernommen hatte.

Letztlich gehe es bei der Umsiedlung von Verlagshäusern aber nicht so sehr um den Quadratmeterpreis für die Büromiete, sagt Axel Dielmann vom gleichnamigen Verlag. Für die Entscheidung, in Frankfurt zu bleiben oder die Stadt zu verlassen, sei vielmehr ein attraktives Umfeld entscheidend. Dielmann, der neben seinem literarischen Verlag im vergangenen Jahr die wissenschaftliche Frankfurt academic press gegründet hat, will nicht dem Beispiel von Suhrkamp und Eichborn folgen. Er findet aber, dass die Stadt mehr für die Literatur tun sollte. Andernfalls laufe die Mainmetropole Gefahr, immer mehr Verlage zu verlieren – womit am Ende auch der Standort als Buchmessenstadt gefährdet sein könnte.

Ein Wunsch Dielmanns: Die Stadt möge sich im Zuge von Großveranstaltungen um junge Autoren kümmern, um „eine gewisse Buntheit“ jenseits einer immergleichen Auswahl großer Namen. Zudem könnte sie zu verstärktem bürgerschaftlichen Engagement animieren, denn das konzentriere sich bislang vor allem auf die Museen.

Kulturdezernent Semmelroth möchte im derzeitigen Haus des Börsenvereins am Hirschgraben ein ,,Haus des Buches und der Medien“ einrichten. Die Resonanz der Verlage darauf ist verhalten. ,,Was würde das denn werden?“ fragt Joachim Unseld von der Frankfurter Verlagsanstalt. Mit einer etwaigen subventionierten Büromiete seien zwar 10 000 Euro im Jahr zu sparen; damit allein wäre aber noch nicht viel gewonnen. ,,Ich will Aufmerksamkeit“, sagt Unseld. Schon tausend zusätzlich als Käufer eines Buches gewonnene Frankfurter würden seinem Verlag 10 000 Euro Umsatzzuwachs bescheren. Die Millionen, die Semmelroth in das sanierungsbedürftige Haus investieren wolle, sollte man lieber in Aktionen stecken, die den Verlagen und Autoren nutzen. In eine Frankfurter Buchwoche zum Weihnachtsgeschäft etwa und die Auslobung eines Frankfurter Buchpreises, schlägt Unseld vor.

Klaus Schöffling von Schöffling & Co. hält die Handlungsmöglichkeiten der Stadt für begrenzt, da eine gezielte Unternehmensförderung nun einmal nicht ihre Aufgabe sei. In der Tat sind viele Probleme, mit denen die Verlage zu tun haben nicht hausgemacht. Die Auflagen für ,,bessere Literatur“ haben sich nach der Einschätzung von Unseld in den letzten zehn Jahren halbiert; der Preis für ein gebundenes Buch liegt seit Jahren konstant bei etwa zwanzig Euro. Gleichzeitig sind die Lohn-, Miet- und andere Kosten gestiegen. Da schließt sich der Kreis: In der Branche heißt es, dass die Entscheidung für den Umzug nach Berlin bei Suhrkamp und Eichborn auch unter dem Aspekt der Kostenminimierung getroffen worden sei, weil nicht alle Mitarbeiter mitzögen.

Quelle: op-online.de

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