Vernichtendes Urteil über Altersvorsorge

Riester-Rente: Hessen setzt auf eigenes Modell

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Offenbach - Die Riester-Rente gerät erneut ins Gerede: Zuletzt hat die Kritik an intransparenten Produkten und horrenden Abschlussgebühren viele Menschen verunsichert. Jetzt fordern Politiker und die Verbraucherzentrale Hessen – auch mit Blick auf das Zinstief – vehement Reformen.

Finanzexperten sind sich seit langem einig, staatlich geförderte Produkte und betriebliche Altersvorsorge – einst als Ergänzung zur gesetzlichen Rente gedacht – kommen längst nicht für jeden in Betracht. Jutta Gelbrich, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen, zieht daraus den Schluss: „Eine Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge ist überfällig.“ Für die Verbraucherschützerin steht fest: „Das bisherige System ist für Verbraucher zu teuer, nicht durchschaubar und bietet nicht genügend Flexibilität.“ Gerade die privaten Rentenversicherungen bieten ihrer Meinung nach in Niedrigzinszeiten kaum noch ausreichende Renditen.

„Diese Produkte sind kostenintensiv und lohnen sich angesichts der niedrigen Zinsen aktuell nur für diejenigen, die sicher wissen, dass sie etwa 100 Jahre alt werden“, so Gelbrich weiter. Daran ändere das Zuschuss- oder Steuerprivileg in der Sparphase von Riester- und Rürup-Verträgen nichts. „Da die staatliche Förderung gedeckelt ist, lohnt es sich nicht, in Niedrigzinszeiten, hier mehr einzuzahlen. Wir sehen hier den Gesetzgeber in der Pflicht, staatlich geförderte Produkte flexibler zu gestalten und insgesamt zu vereinfachen“, fügte Gelbrich hinzu. Verbraucherschützer in Deutschland fordern schon lange – neben der gesetzlichen und privaten Altersvorsorge – eine staatlich organisierte dritte Säule der Altersvorsorge anstelle „eines Flickenteppichs an geförderten Altersvorsorgeprodukten“.

Zukunftsforscher fordert neue Reichtums-Definition

Nach den Worten von Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz sind neue und nachhaltigere Konzepte sowie bessere Produkte nötig, damit Altersarmut in Deutschland wirksam bekämpft werden kann. „Das Konzept der Riester-Rente als Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversicherung ist praktisch gescheitert“, so die Grünen-Politikerin. Ihrer Meinung nach sind viele Produkte zu teuer und nicht auf den individuellen Bedarf der Verbraucher ausgerichtet. Darum hat die schwarz-grüne Landesregierung auch einen eigenen Vorschlag zur Diskussion gestellt, die Deutschland-Rente.

Die Landesminister Thomas Schäfer (Finanzen), Tarek Al-Wazir (Wirtschaft) und Stefan Grüttner (Soziales) reagieren mit ihrem Vorstoß auf die, wie sie sagen, „berechtigte öffentliche Kritik an den zum Teil völlig überteuerten Riester-Produkten“. Die derzeitigen Modelle der privaten und betrieblichen Altersvorsorge seien zu wenig attraktiv und würden zu wenig genutzt, um die beschlossenen Kürzungen der gesetzlichen Rente ausgleichen zu können, heißt es. Im Mittelpunkt der Deutschland-Rente steht ein Fonds, der ohne eigenes Gewinninteresse auf Selbstkostenbasis arbeitet. (psh)

Quelle: op-online.de

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