Verteidigung sieht keine Schuld am Tod

Frankfurt/Rhein-Main - Kassel (dpa) Im Kasseler „Sklavenmordprozess“ hat die Verteidigung eine direkte Verantwortung des Hauptangeklagten am Tod eines Behinderten bezweifelt. „Es gibt keinen nachgewiesenen Zusammenhang, dass die Schläge zum Tod führten“, sagte der Verteidiger des 45-Jährigen gestern vor dem Kasseler Landgericht.

Deshalb könne man seinen Mandanten für gefährliche Körperverletzung verantwortlich machen, nicht jedoch mit Todesfolge. Zudem habe er sich der Aussetzung strafbar gemacht. „Beides sollte sich auf eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren summieren.“

Der Mann und seine ebenfalls angeklagte Frau sollen einen geistig leicht behinderten Mann über Monate wie ein Tier gehalten haben, um seine Sozialhilfe zu kassieren. Nach zahlreichen Misshandlungen, zuletzt mit einem Holzhocker, war der 29- Jährige gestorben. Seine Mutter fordert als Nebenklägerin lebenslange Haft für den 45-Jährigen und vier Jahre für seine Frau. Die Staatsanwaltschaft hatte elf Jahre wegen Körperverletzung mit Todesfolge und fünf Jahre für die inzwischen von ihm geschiedene Frau gefordert. Es ist der zweite Prozess um den Tod des Mannes im Juli 2003. Ein Urteil über acht Jahre und drei Monate war vom Bundesgerichtshof gekippt worden. Die Bundesrichter forderten die Prüfung, ob nicht auch eine Verurteilung wegen Mordes in Frage kommt.

Der Verteidiger sagte, Gewalt sei in der Familie der Angeklagten „insgesamt nicht fremd“. „Zur Lösung von Problemen war Gewalt an der Tagesordnung.“ Dennoch sei der Behinderte nicht geflohen. „Es war ja kein Verlies. Er war im Krankenhaus und einmal auch allein unterwegs, er hätte gehen können. Aber die wohngemeinschaftsähnliche Situation war ja auch für ihn nicht ohne Attraktivität.“ Die Schläge mit dem Hocker habe es mindestens eine Woche vor dem Tod gegeben. Die Todesursache bleibe ungeklärt.

Quelle: op-online.de

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