Mit Vertrauen die Hausaufgaben angehen

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Ein Leben für die Bürgerrechte: Jesse Jackson

Frankfurt   ‐ Das Zauberwort heißt „Faith“, Vertrauen. Reverend Jesse Jackson hat Vertrauen und deshalb glaubt er auch daran, dass sich die ins Dümpeln geratene Präsidentschaft von Barack Obama zum Guten wenden wird. Von Christian Riethmüller

Zwar seien die Hoffnungen, die auf dem ersten farbigen Präsidenten in der Geschichte der USA lägen, eine Bürde, doch schließlich seien ja auch die Hoffnungen auf Rechte für Frauen oder Arbeiter Bürden gewesen, sagte der berühmte amerikanische Bürgerrechtler Jesse Jackson gestern bei einem Empfang im Union International Club im Frankfurter Stadtteil Bockenheim.

Jackson, 1984 und 1988 selbst zwei Mal Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei, weilte anlässlich des jährlich im Februar begangenen „National Black History Month“ am Main. Mit diesen Feierlichkeiten wird der Beitrag schwarzer Amerikaner zur Geschichte der USA gewürdigt.

Eigentlich auf dem Weg zu Vorträgen in den Niederlanden, hatte das US-Generalkonsulat in Frankfurt Jackson für einen kurzen Stopp in Deutschland gewinnen können, der heute auch noch einen Besuch der amerikanischen Streitkräfte in Wiesbaden vorsieht.

Norden muss die Kluft zum Süden schließen

Trotz dieses offiziell anmutenden Besuchsprogramms ist der Weggefährte von Martin Luther King jr. nicht im Regierungsauftrag unterwegs. „Ich wurde eingeladen, nicht gesandt“, schmunzelte er bei einer kurzen Fragerunde für Medienvertreter. Jackson erinnerte an die mühsam errungenen Erfolge der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den vergangenen 55 Jahren. Diesen langen Prozess nannte er „Demokratisierung der Demokratie“.

Dieser Prozess habe zwar zur Wahl Obamas geführt, sei aber noch lange nicht abgeschlossen. „Wir haben das Kapital globalisiert, aber nicht die Menschenrechte“, mahnte der Baptistenpastor Aufgaben für die USA und Europa an. Auch müsse der Norden die Kluft zum Süden schließen, gab der mittlerweile 69-jährige Jackson, der während der Clinton-Präsidentschaft als „Sonderbotschafter für die Förderung der Demokratie in Afrika“ diente, den Zuhörern eine allgemeine Einschätzung westlicher Hausaufgaben. Das „Wie“ kann aber auch ein wortmächtiger „homo politicus“ nicht auf eine griffige Formel bringen, weshalb der Theologe, der Jackson ja auch ist, das letzte Wort behält, nämlich „Faith“.

Quelle: op-online.de

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