Verurteilter Rechtsextremer auf freiem Fuß

Frankfurt/Rhein-Main - Kassel (dpa) Trotz einer neuen Anklage wegen eines Überfalls ist ein verurteilter Rechtsextremist vom Kasseler Landgericht auf freien Fuß gesetzt worden. „Uns war die neuerliche Anklage in Marburg nicht bekannt, und deshalb wurde der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt“, bestätigte Landgerichtspräsident Wolfgang Löffler einen Medienbericht.

Der 19 Jahre alte Rechtsradikale war im Januar wegen eines Überfalls auf ein linkes Zeltlager zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.

Die Tat, bei der ein 13-jähriges Mädchen schwer verletzt wurde, hatte bundesweit Aufsehen erregt. Der junge Mann hatte in einem Zelt mit der flachen Seite eines Klappspatens und einer leeren Bierflasche auf ein schlafendes Geschwisterpaar eingeschlagen. Trotz der Verurteilung im Januar hatte der Täter seine Haftstrafe noch nicht angetreten, weil sie noch nicht rechtskräftig ist.

Löffler verwies auf eine Reihe strenger Auflagen, die mit dem Haftgrund Fluchtgefahr zu tun hätten: „Er muss sich regelmäßig bei der Polizei melden, er darf nicht einfach seinen Wohnsitz wechseln.“ Von der Anklage wegen eines Angriffs auf Linke vier Wochen vor dem Überfall auf das Zeltlager habe man in Kassel kaum etwas wissen können, sagte Löffler. „Es gibt keine automatische Meldung, und natürlich fragen wir nicht jedesmal jede Staatsanwaltschaft ab, ob gegen bestimmte Personen etwas vorliegt.“ Ein Kontrollsystem, das alles komplett dokumentieren müsste, könne niemand wollen.

Quelle: op-online.de

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