Frankfurt

Viel Fell und Sanftmut

Valentin ist der erste Alzheimer Therapiehund Europas.

Auf den ersten Blick scheint Valentin ein ganz gewöhnlicher Hund zu sein. Der Retriever tobt durch eines der Wohnzimmer im Frankfurter Seniorendomizil Sunrise und genießt die Balgerei ebenso wie seine drei Artgenossen und Spielkameraden.

Frankfurt - Erst als der europaweit erste Alzheimer-Therapiehund gestreichelt wird, ahnt man, dass es sich bei Valentin um einen besonderen Vertreter seiner Art handelt: Sofort wird er ganz ruhig und gelassen und schmiegt sich eng an die Beine der streichelnden Frau ­ obwohl sie ihm gänzlich unbekannt ist. Seine Trainerin Tatjana Kreidler erklärt: „Als Therapiehund für demenzkranke Menschen ist Valentin extrem sanft und sensibel. Er ist einfühlsam und geduldig und übt auf die Patienten, die manchmal sehr unberechenbar agieren können, keinen Druck aus. Er akzeptiert sie so, wie sie sind.“

Seit einigen Monaten ist der vierjährige Valentin im Sunrise Domizil im Einsatz, um an Alzheimer erkrankte Menschen wieder ein Stück zurück ins Leben zu holen. In dem Haus leben sowohl Senioren, die noch relativ fit sind, ihren Alltag daheim allein aber nicht mehr meistern können, als auch intensiver Pflege bedürftige Demenzpatienten. „Mit Alzheimer-Hunden bin ich in den USA in Berührung gekommen. Im Jahr 2005 fing ich mit Recherchen an und fragte mich, wer einen solchen Hund überhaupt ausbilden könnte“, berichtet Sunrise-Direktor Jochen Jung. So stieß er auf Diplom-Sozialpädagogin Tatjana Kreidler und ihren Verein „Vita“, der Assistenzhunde für körperlich behinderte Menschen ausbildet. Erfahrungen in der Ausbildung eines Therapiehundes für Demenzkranke hatte Kreidler aber nicht. Jung erinnert sich: „Frau Kreidler war sehr skeptisch und hinterfragte genau, wie ernst uns die Sache ist.“

„Assistenzhunde müssen eine besondere Basis haben, sensibel sein und auf die Bedürfnisse des Menschen reagieren“, sagt Kreidler mit ruhiger, fast leiser Stimme. Man ahnt, dass sich diese Ruhe auf die von ihr sensibilisierten Hunde überträgt. Valentin zeichne sich durch Sanftmut und Geduld aus.

Wie andere Assistenzhunde auch muss Valentin nach seiner dreijährigen Ausbildung Türen öffnen, Gegenstände aufheben, bringen und abgeben können. Zudem aber muss er auch eine besondere Bindung zu den Demenzkranken aufbauen, Gefühlsregungen und Gesten einschätzen und dabei immer Ruhe bewahren. „Es kann auch Ablehnung vom Patienten kommen, aber Valentin will das Eis brechen und den Schlüssel zu dem Menschen finden“, sagt Sunrise-Marketing-Chefin Sandra Venohr. So habe ein Patient nach zwei Wochen des Schweigens durch Valentin wieder zu sprechen begonnen. Jochen Jung ergänzt: „Ein anderer Patient, der früher selbst Hunde hatte, war bei den ersten Begegnungen eher grob zu Valentin. Der aber ist immer wieder zum Patienten gekommen und hat ihn schließlich geknackt.“ Aufgezwungen werde Valentin niemandem.

Sieben Demenzpatienten des Frankfurter Domizils besucht der Retriever, dessen Ausbildung rund 25 000 Euro gekostet hat, regelmäßig. Seine speziell geschulte Bezugsperson Constanze Beier nimmt Valentin, ganz wie einen eigenen Hund, abends mit nach Hause und bringt ihn morgens, nach dem ersten Spaziergang des Tages, wieder mit. Von einzelnen Bezugsbetreuern wird er dann abgeholt und zu deren Patienten mitgenommen. In der Mittagspause darf Valentin sich ausruhen ­ oder auch ganz Hund sein. Ebenso wie abends, wenn Beier einen Feierabendspaziergang mit ihrem Schützling macht. „In der Freizeit findet aber auch Training statt, damit das, was Valentin gelernt hat, präsent bleibt“, sagt Beier.

Auch wenn die Sunrise-Senioren eigene Haustiere mitbringen dürfen, so verfügt laut Sandra Venohr nur Valentin über die Eigenschaften für einen sicheren Umgang mit Demenzpatienten.

Quelle: op-online.de

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