Viele Hürden im Kampf gegen Kunstfehler

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Viele Ärzte verschweigen ihre Kunstfehler.

Offenbach - Wenn Ärzte pfuschen, ist das nicht immer sofort offensichtlich. Viele verschweigen ihre Fehler, zumindest müssen die betroffenen Patienten oder Angehörigen oft mit Hürden bei der Aufklärung rechnen. Von Peter Schulte-Holtey

Von den Büchern, die zum Thema erschienen sind, fällt besonders das von Stefanie Bachstein „Du hättest leben können“ auf. Sie gibt Hilfe zur Selbsthilfe und schreibt über den Fall ihrer Tochter: „Unsere siebenjährige Jule hatte auf dem Schulweg einen Verkehrsunfall. Dabei wurde sie vom Außenspiegel eines fahrenden Pkw im Gesicht getroffen. Rettungswagen und Notarztwagen waren in kürzester Zeit am Unfallort.

Eine Fehleinschätzung der Lage und eine unerkannte Fehlintubation der erstversorgenden Notärztin haben laut gerichtsmedizinischem Gutachten, das von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegeben wurde, den Tod unseres Kindes verursacht. Die Notärztin hatte unter der Verdachtsdiagnose ,schweres Schädel-Hirn-Trauma’ eine Intubation vorgenommen.

Unser Kind war durch Medikamente relaxiert und die Spontanatmung somit ausgeschaltet. Als der herbeigerufene Hubschraubernotarzt, ein Anästhesist, eintraf, sah er sofort, dass Jule fehlintubiert war. Trotz aller Anstrengung konnte er ihr Leben nicht retten. Jule starb im Hubschrauber auf dem Flug ins nächste größere Klinikum. Der Hubschraubernotarzt und die Klinik vertuschten den folgenschweren Fehler ihrer Kollegin nicht. Dafür sind wir bis heute dankbar.

Der diensthabende Klinikarzt teilte uns Eltern dann mit, dass Jule gestorben sei, und informierte uns wahrheitsgemäß, dass eine Fehlintubation vorläge. Deshalb sei die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Ich war so im Schock. So durfte mein Kind nicht gestorben sein, das würde ich nicht verkraften. Das durfte einfach nicht wahr sein. Ich zog mich innerlich auf die Position zurück: ,Jule wäre sowieso gestorben an ihren schweren Verletzungen.’ Ich kann mir vorstellen, dass diese Schutzhaltung auch bei der jungen Notärztin, die damals als Assistenzärztin in einer Klinik arbeitete, in ähnlicher Weise vorhanden war. Zum Tod unseres Kindes erhielten wir von der Notärztin und ihrem Team oder ihrem Vorgesetzten kein Zeichen des Bedauerns. Das wäre wichtig gewesen. Stattdessen Schweigen.“

Quelle: op-online.de

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