Billige Ruhestätten

Das klassische Grab wird seltener

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Kreuze, ein eigenes abgeteiltes Grab und eine Gedenkkerze. Seit vielen Jahren ist dies die klassische Art, die Toten zu bestatten und ihrer zu gedenken. Doch es ändert sich etwas: Viele Menschen wollen keine aufwändige Grabkultur mehr - oder sie ist ihnen schlicht zu teuer.

Frankfurt/Kassel - Sich für ein klassisches Grab samt Sarg zu entscheiden und es auch noch zu pflegen, wird vielen Menschen zu aufwendig und zu teuer. In Kommunen liegt das „pflegeleichte Grab“ im Trend.

Grab, Grabstein, Grabpflege: Eine Beerdigung kann Hinterbliebene vor finanzielle Probleme stellen. Wenn niemand in der Nähe wohnt, fehlt auch oft die Zeit, das Grab in Ordnung zu halten. Das muss dann eine Firma gegen Bares erledigen. Viele Kommunen haben sich laut Bestatterverband Hessen in den vergangenen fünf bis sechs Jahren mit neuen, billigeren Angeboten auf die veränderten Wünsche von Angehörigen der Toten eingestellt.

„Der Trend zum pflegeleichten Grab hat zugenommen“, sagte der Vorsitzende des Bestatterverbandes Hessen, Dominik Kracheletz. „Der Preis wird gleich auf einmal bezahlt“ - Grab plus jahrelange Mini-Pflege, nur Rasen, keine Blumen, mitunter auch kein Grabstein.

Solche Friedhofabschnitte werden oft Friedparke genannt, alles ist einfacher und billiger. Wer etwa auf den klassischen Grabstein verzichtet, kann einige tausend Euro sparen. Zudem kann selbst eine nicht gerade üppige Grabpflege im Jahr schnell zwischen 300 und 400 Euro kosten.

Solche Angebote gibt es beispielsweise in Frankfurt und in Kassel. Im Friedpark der nordhessischen Stadt können Särge oder Urnen am Fuße eines Baumes oder Strauches bestattet werden. Das Grab muss nicht gepflegt, es muss auch kein Grabstein gesetzt werden. Alle Kosten sind für die Dauer der Laufzeit abgedeckt. Im Fall einer Urnenbestattung werden summa summarum rund 1600 Euro fällig.

„Der Trend geht sowieso hin zu Urnen“, sagt Jürgen Werner von der Friedhofsverwaltung in Kassel. Die Gräber seien kleiner und damit günstiger als bei Särgen. Die Bilanz: 1712 Bestattungen im vergangenen Jahr, 65,1 Prozent (1115) waren Urnen, 34,9 Prozent (597) Särge. „Das war vor 20 Jahren noch umgedreht.“ Ein Trend wie in Frankfurt: Dort lag der Anteil der Urnen-Bestattungen 1999 noch bei 56 Prozent, 2012 dann bei 66 Prozent. In Offenbach lag im vergangenen Jahr der Anteil der Särge bei 19 Prozent, der Anteil der Urnen dagegen bei 81 Prozent. Genauere Zahlen konnte ESO-Sprecher Oliver Gaksch nicht liefern. Auch hier werden Pflegeaufwand und monetäre Gründe genannt.

Die Möglichkeit, Tote mit deutlich weniger Aufwand und damit auch weniger Kosten zu bestatten, gibt es auch in Langen. „Bei etwa 80 Prozent der Sterbefälle wird die Möglichkeit einer Beerdigung im Friedpark vorgezogen“, sagt Friedhofs-Mitarbeiter Fehmi Kadriu. „Auch weil keine Angehörigen da sind.“

Der Trend ist aber nicht überall gleich stark, sondern scheint auch etwa von kirchlichen Einflüssen abzuhängen. Im katholisch geprägten Fulda ist der Anteil der Urnen-Bestattung deutlich niedriger als in Kassel und Langen. „Wer ein Familiengrab haben will, behält es auch bei“, sagt Amtsleiter Dirk Handwerk. „Ein Friedhof ist ein Abbild der gesellschaftlichen Entwicklung.“

Von dem Wunsch, ein günstiges und auch ganz pflegeloses Grab zu haben, aber trotzdem einen Platz für die Trauer zu finden, profitieren auch private Bestatter. Urnen-Gräber in Wäldern bieten die FriedWald GmbH aus Griesheim und die RuheForst GmbH aus Erbach im Odenwald an. Särge sind hier ausgenommen.

FriedWald eröffnete nach eigenen Angaben 2001 im Reinhardswald bei Kassel den ersten Bestattungswald in Deutschland überhaupt. Allein in Hessen habe es inzwischen rund 12 000 derartige Beisetzungen gegeben.

Die seit 2003 bestehende Firma RuheForst verzeichnet eine jährliche Zunahme von fast zehn Prozent. „Die Leute kommen aus allen sozialen Schichten“, sagte Geschäftsführer Jost Arnold. „Das hat sich in Deutschland etabliert wie der Friedhof oder die Seebestattung.“

dpa

Quelle: op-online.de

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