Viele Wünsche und manche offene Frage

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Vom Campus Bockenheim zum Kulturcampus ist es noch ein weiter Weg.

Frankfurt - Das Leben ist eigentlich kein Wunschkonzert - schon gar nicht, wenn Entscheidungen getroffen werden sollen, die auch noch viele andere Leben betreffen. Von Christian Riethmüller

Der Umbau des Frankfurter Stadtteils Bockenheim nach dem endgültigen Abzug der Goethe-Universität ist solch ein Projekt, das viele Menschen betreffen wird, ob sie es wollen oder nicht. Bis das über 16 Hektar große, in bester Stadtlage zu findende Uni-Gelände aber - wie geplant - in einen Kulturcampus umgewandelt sein wird, vergehen noch viele Jahre. Warum also nicht doch eine Runde „Wünsch’ Dir was“ spielen und die Frankfurter fragen, was sie sich von der Stadtentwicklung erhoffen?

Diesen Weg hat die Stadt eingeschlagen und am Montagabend zum ersten Bürgerforum ins Senckenberg-Museum eingeladen. Dort, umgeben von Saurierskeletten, sollten mehrere Referenten mit dem Projekt Kulturcampus Bockenheim vertraut machen; vor allem aber sollten die Zuhörer ihre Überlegungen vorbringen dürfen. Damit scheint die Stadt eine beispielhafte Vorgehensweise gefunden zu haben. Wutbürgers Aufstand wie etwa in Stuttgart dürfte angesichts der Pläne für Bockenheim zwar kaum zu erwarten sein, weil die Idee des Kultur-Campus einmütige Zustimmung in der Stadt erfährt, doch über gewisse Baupläne könnte sehr wohl gestritten werden.

Die Kritik würde sich dabei nicht gegen die neun Institutionen richten, die auf den Campus ziehen oder dort bleiben wollen: die Hochschule für Musik und Darstellenden Kunst, das Ensemble Modern, das Frankfurt LAB, die Hessische Theaterakademie, das Hindemith-Institut, das Institut für Sozialforschung, die Junge Deutsche Philharmonie, die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und die Forsythe Company. Diese Neun haben am Montag den Verein „Forum Kulturcampus Bockenheim e.V.“ gegründet, um mit vereinten Kräften das Ziel zu erreichen, der Stadt wie auch der Region ein kulturelles Zentrum zu geben, das internationale Ausstrahlung hat.

Weitere Bürgerforen und Planungswerkstätten zum Kulturcampus Bockenheim folgen.

Die Vorstellung von einem von 1500 Künstlern, Studenten und Wissenschaftlern belebten Künstlerquartier gefällt auch vielen Anwesenden im Senckenberg-Museum, die allerdings zu bedenken geben, dass all die Kulturschaffenden auch wohnen wollen. Wohnraum ist deshalb auch das Thema, das die Bürger aus Bockenheim und dem Westend am meisten interessiert. Sie wollen wissen, ob bei der längs des Campus und neben dem Bockenheimer Depot geplanten Wohnbebauung auch genügend günstiger Wohnraum vorgesehen ist oder ob die beiden Stadtteile Angst vor der Gentrifizierung haben müssten, wie sie etwa in Berliner Stadtteilen, aber auch schon im Frankfurter Nordend zu beobachten sei.

Andere verweisen auf einen Wandel des Stadtklimas, wenn eine weitere bauliche Verdichtung stattfinde, wie sie etwa der renommierte Stadtplaner Albert Speer für das Campus-Gelände vorschlägt. Wiederum andere wollen nicht alle alten Universitätsgebäude abgerissen sehen, sondern etwa das unter den Namen „KOZ“ legendär gewordene Studierendenhaus als „Offenes Haus der Kultur“ erhalten.

Im Gespräch ist zudem, am Rand des Campus ein großes Behördenzentrum der Stadt zu bauen, wies es unter anderem die Grünen im Römer vorschlagen. Davon hält Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) wiederum nicht allzu viel, wie sie am Montagabend verriet. Zuviel Bebauung, meint sie und wünscht sich mehr Luft.

Quelle: op-online.de

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