Niedrigzins belastet Ergebnis

Volksbank kritisiert EU-Pläne

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Frankfurt - Die Frankfurter Volksbank spürt die Folgen der Niedrigzinspolitik in Europa und kritisiert gleichzeitig staatliche Maßnahmen. Von Marc Kuhn 

Dennoch habe sich das Institut, zu dem auch die Volksbanken in Offenbach und Hanau gehören, 2013 „abermals erfolgreich bewährt“, sagte die Vorstandsvorsitzende Eva Wunsch-Weber gestern in Frankfurt. Zum vergangenen Jahr erklärte sie: „Die Niedrigzinsphase ist ein dauerhaftes Phänomen.“ Für 2014 erwartet Wunsch-Weber, dass die kurzfristigen Zinsen auf niedrigem Niveau bleiben. 2013 sei auch die Beratungsqualität der Banken stärker in den Fokus der Wahrnehmung gerückt. „Und die Wirkungen europäischer Regulierungsvorhaben und deren Umsetzung in nationales Recht wurden für alle deutschen Banken spürbar.“

Wunsch-Weber sagte weiter: „Mit kritischer Aufmerksamkeit werden wir 2014 die regulatorischen Anforderungen beobachten.“ Sie bat um Augenmaß. „Vor allem fordern wir eine stärkere Differenzierung und Bewertung der unterschiedlichen Geschäftsmodelle der Banken.“ Es müssten Unterschiede gemacht werden nach der Risikoorientierung und Verflechtung der Geldhäuser mit der Realwirtschaft.

Pläne für die Einlagensicherung

Aber auch die Pläne für die Einlagensicherung sind der Frankfurter Volksbank ein Dorn im Auge. „Wir Genossenschaftsbanken haben seit vielen Jahren ein gut funktionierendes Sicherungssystem“, berichtete Wunsch-Weber. Sie appellierte an die Politik, „eine nivellierende europäische Regelung abzulehnen“. Wenn der EU-Abwicklungsfonds für Geldhäuser durch Zahlungen aller Banken finanziert werden solle, dann sei dies unverhältnismäßig. Wunsch-Weber verwies darauf, dass auf diese Weise auch die Volks- und Raiffeisenbanken belastet würden, „die nicht zur Krise beigetragen haben“. Die Belastungen würden von den Kunden und Eigentümern der Genossenschaftsbanken getragen.

Die anhaltend niedrigen Zinsen haben ein weiteres Rekordergebnis der Frankfurter Volksbank verhindert. 2013 sank das Betriebsergebnis nach Bewertung um 1,3 Prozent auf 99,2 Millionen Euro und verfehlte damit knapp die Bestmarke des Vorjahres. „Wir sind damit sehr zufrieden“, sagte Wunsch-Weber. „Es fehlten nur noch wenige Meter bis zu einem neuen Rekordgipfel. Aber wir haben im Hinblick auf den weiteren Weg unsere Kräfte eingeteilt.“

Zinsüberschuss ist der wichtigste Ertragsbringer

Der Zinsüberschuss ist der wichtigste Ertragsbringer des Geldhauses. Wegen der Niedrigzinsen sank er im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent auf 190,4 Millionen Euro. Das Provisionsgeschäft stieg hingegen um 3,2 Prozent auf 48,7 Millionen Euro. Die Zahl der Kunden erhöhte sich im vergangenen Jahr auf 480 000. Die Zahl der Mitglieder stieg auf fast 186 100. Zur Zeit plant die Frankfurter Volksbank keine weiteren Fusionen. „Wir führen aktuell keine Gespräche“, erklärte Wunsch-Weber.

Im April wird der langjährige Vorsitzende des Aufsichtsrats der Frankfurter Volksbank, Manfred Benkert, aus dem Gremium ausscheiden. Er hat die Altersgrenze von 70 Jahren erreicht. Bereits im Herbst hat der Aufsichtsrat die Nachfolge geregelt. Der frühere Vorstandschef Hans-Joachim Tonnelier wird den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen.

Quelle: op-online.de

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