Volksbank verzichtet auf Strafzins

Frankfurt - Strafzinsen sind für die Frankfurter Volksbank trotz des anhaltenden Niedrigzinsumfelds kein Thema. Die Geschäfte bei dem Institut laufen gut. Von Marc Kuhn 

Die Frankfurter Volksbank, zu der auch die genossenschaftlichen Institute in Offenbach und Hanau gehören, lehnt Strafzinsen ab. Das Geldhaus „erhebt keine negativen Guthabenzinsen und plant derzeit auch nicht, sie einzuführen“, sagte die Vorstandsvorsitzenden Eva Wunsch-Weber gestern in Frankfurt. „Für das klassische Privat- und Firmenkundengeschäft sehe ich die Entwicklung von Negativzinsen gar nicht.“ Die Europäische Zentralbank (EZB) kassiert von Geschäftsbanken derzeit 0,2 Prozent Zinsen, wenn diese über Nacht Geld bei ihr bunkern. Das soll die Banken dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben. Einige Institute geben diese Gebühren an Anleger weiter.

Wunsch-Weber äußerte zudem ihre Skepsis gegenüber der Honorarberatung. „Sie wird derzeit ja von vielen als das einzig wirklich objektive Beratungsmodell gehandelt“, erklärte die Vorstandsvorsitzende der zweitgrößten deutschen Volksbank. „Da habe ich meine Zweifel. Der Honorarberatung fehlt ein ganz wichtiges Element, nämlich die Dauerhaftigkeit. Weil wir unsere Kunden kontinuierlich begleiten, oft ein Leben lang, können unsere Kunden uns jederzeit ansprechen, ohne dass gleich der Gebührenzähler tickt“, sagte Wunsch-Weber.

Beim Thema Fusionen zeigte sie sich zurückhaltend. Zwar sagte sie: „Wir führen keine direkten Fusionsgespräche.“ Mit Blick auf langfristige Planungen ergänzte die Chefin der Volksbank aber: „Wir glauben nicht, dass die genossenschaftliche Welt so bleibt, wie sie ist.“ Eindeutig positionierte sie sich bei der Frage nach dem künftigen Filialnetz. „In großem Stil haben wir in keiner Weise vor, Geschäftsstellenmaßnahmen zu treffen“, sagte Wunsch-Weber. Die Bank hat derzeit 88 Filialen und 43 SB-Stellen. Im vergangenen Jahr wurden die vier kleinsten Geschäftsstellen geschlossen.

Trotz des Niedrigzinsumfelds konnte das Institut 2014 seine Geschäfte ausbauen. „Die Frankfurter Volksbank kann abermals mit einem starken Ergebnis aufwarten“, berichtete Wunsch-Weber. Das Betriebsergebnis nach Bewertung habe sich auf 100 Millionen Euro verbessert. „Es ist damit in der mehr als 150-jährigen Geschichte unseres Hauses das zweitbeste Ergebnis“, erläuterte Wunsch-Weber. Die Bilanzsumme sei auf mehr als 8,6 Milliarden Euro gestiegen. Die Frankfurter Volksbank verfüge über Eigenmittel in Höhe von über 1,1 Milliarden Euro, sagte die Vorstandschefin. Die Eigenkapitalquote liege bei 23,8 Prozent. Die Frankfurter Volksbank zähle damit zu den kapitalstärksten Banken in Deutschland, erklärte Wunsch-Weber.

Der Zinsüberschuss sei 2014 um 1,6 Prozent auf 193,5 Millionen Euro gestiegen. Das Provisionsergebnis habe um 2,1 Prozent auf 49,7 Millionen angezogen. Die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen führte den Angaben zufolge zu einem Anstieg des Kreditgeschäfts um 1,7 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro.

Angesichts der guten Geschäftslage sieht die Volksbank den geplanten regulatorischen Regelungen auf EU-Ebene gelassen entgegen. „2015 beginnt für uns eine neue Zeitrechnung“, sagte Wunsch-Weber. „Erstmals werden auch wir nicht-systemrelevanten Banken in die indirekte Aufsicht der Europäischen Zentralbank einbezogen.“ Sorgen bereiten die finanziellen Belastungen. „Weniger entspannt sehen wir allerdings den Kosten der Aufsicht, insbesondere der zukünftigen Bankenabgabe, entgegen“, so die Vorstandsvorsitzende. Sie rechnet mit einem siebenstelligen Betrag jedes Jahr.

Der Vorstand der Frankfurter Volksbank wird im Zuge des Generationswechsels von sechs auf fünf Mitglieder verkleinert. Peter Völker und Reinhard Kuckert gehen zur Jahresmitte in den Ruhestand. Ulrich Hilbert solle in den Vorstand aufrücken, berichtete Wunsch-Weber. Mittlerweile zählt die Volksbank etwa 481.000 Kunden und rund 1 345 Mitarbeiter. Die Zahl der Mitglieder bei dem genossenschaftlichen Institut ist auf mehr als 191.000 gestiegen. Sie erhalten weiterhin eine Dividende von sechs Prozent.

Quelle: op-online.de

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