Zuhälterei mit Voodoo-Zauber

Frankfurt - Der Frankfurter Richter Klaus Großmann muss sich seit heute mit den Grundzügen der schwarzen Magie in Afrika vertraut machen. „Dort herrschen aber offenbar strenge Sitten“, sagte der erfahrene Strafjurist nach den Schilderungen der 37 Jahre alte Nigerianerin auf der Anklagebank des Landgerichts.

Sie hatte erklärt, wie ihr die Priester der kreolischen Religion Voodoo in ihrer Heimat einst zugesetzt hatten, um sie für den Dienst als Prostituierte in Europa gefügig zu machen. Ihr Voodoo-Schwur - zu Beginn der 1990er Jahre geleistet - war der Ausgangspunkt für jene Straftaten, die der ehemaligen Liebesdame nun zur Last gelegt werden: Menschenhandel und ausbeuterische Zuhälterei, begangen an drei Nigerianerinnen, die vor dem Voodoo-Zauber eben so viel Angst hatten, wie sie früher selbst. In den Jahren 2008 und 2009 wurden die Frauen in Nigeria von Voodoo-Priestern präpariert. Sollten sie nicht nach Europa gehen und dort für die teure Reise rund 45.000 Euro erwirtschaften, falle der Tod oder zumindest der Wahnsinn über sie.

„Ernest“ nahm das Geld in Empfang

In Deutschland wurden die Frauen in Bordelle gesteckt. Der Dirnenlohn wanderte zunächst in die Geldbörse der Angeklagten und von dort in ihre Heimat, wo „Ernest“, der windige Betreiber eines Reisebüros, offenbar auf das Geld wartete. „Ernest“ sei es auch gewesen, der sie selbst damals in ein belgisches Bordell verschoben habe, sagte die zweifache Mutter. Bei ihrer Aussage brach sie immer wieder in Tränen aus. Fünf Jahre sollte es dauern, bis die Kosten für Pass und Reise „erwirtschaftet“ seien. „Sie können doch wohl nicht fünf Jahre nur für einen Pass arbeiten“, schüttelte der Gerichtsvorsitzende ungläubig den Kopf. Die Angeklagte aber tat dies offenbar. Schenkt man ihr Glauben, so war sie nach wie vor von den Weissagungen der schwarzen Magie überzeugt. Eine unrühmliche Rolle spielte dabei auch die eigene Mutter, die in Nigeria ebenso die Schwüre der jungen Frauen entgegen nahm.

Schwüre wurden noch einmal erneuert

Weil von dem Voodoo-Geist auf dem langen Flug nach Deutschland etwas verloren gehen könnte, wurden die Schwüre nach der Ankunft der Frauen in Frankfurt noch einmal erneuert. Die Angeklagte legte die Hände der Frauen auf ein Metallstück und ließ sie schwören, dass sie keine Widerworte leisten und vor allem aus dem Bordell niemals weglaufen würden. Eine der Frauen brach ihren Eid schließlich, als sie den Hokuspokus erkannte und merkte, dass sie brutal ausgebeutet wird. Sie ging zur Polizei, erstattete Anzeige und ermöglichte so die Festnahme der Angeklagten. Für die Nigerianerin brach damit auch eine Glaubenswelt zusammen. Sie hatte es nicht für möglich gehalten, dass die Polizei nach der Ableistung der Voodoo- Schwüre irgendetwas von dem kriminellen Treiben mitbekommen würde. Doch die Frankfurter Strafjustiz nimmt es notfalls auch mit gewieftem Voodoo-Zauber auf. Der Angeklagten drohen mehrere Jahre Haft.

dpa

Quelle: op-online.de

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